Im Gegensatz zu den Eisenbahnen nördlich des Gebirgskammes sind über die in unserer Heimat kaum Veröffentlichungen vorhanden. Nachstehend wird ein kurzer Überblick über die Entwicklung gegeben.
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Bahnhof Trautenau um 1900.
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Bahnhof Trautenau, Ankunft der ersten
Lokomotive am 20.06.1871.
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Der durch die private SNDV (k.k. privilegierte
Süd-Norddeutsche Verbindungsbahn) 1868 eröffnete Bahnbetrieb von Schwadowitz
nach Königshan erreichte in Parschnitz die unmittelbare Nachbarschaft zu Trautenau,
das aber noch zweieinhalb Jahre auf eine eigene Bahnstation (Dezember 1870)
warten musste. Zwischendurch erfolgte Ende 1869 der Lückenschluss zwischen Königshan
und Liebau, durch welchen eine seit langem angestrebte Nord-Süd-Verbindung zwischen
Schlesien und dem nordöstlichen Böhmen geschaffen wurde. Vom Westen her baute
die ÖNWB (k.k. privilegierte Österreichische Nordwestbahn) die Strecke Altpaka
Trautenau Parschnitz, wobei in der letzteren Station der wichtige
Übergang zur Strecke nach Schlesien hergestellt war. Diese Bahngesellschaft
baute auch die in der zweiten Jahreshälfte 1871 eröffneten Zweigstrecken Pelsdorf
Hohenelbe und Trautenau Freiheit-Johannisbad. Um das Streckenbild
im südlichen Riesengebirge abzurunden, sollen zwei Lokalbahn-Strecken nicht
unerwähnt bleiben; zum einen die Strecke Königshan Schatzlar, die im
Oktober 1882 von der ÖLEB (Österreische Lokaleisenbahngesellschaft) eröffnet
wurde und zum anderen die Strecke Parschnitz Ort Wekelsdorf, welche erst
im September 1908 als Lokalbahn der Nordwestdirektion der k. k. Österreichischen
Staatsbahnen in Betrieb genommen wurde.
Abgesehen von den beiden Stichstrecken nach Hohenelbe und Freiheit-Johannisbad
handelt es sich bei allen anderen Bahnlinien um klassische Hügellandstrecken:
Topographische Hindernisse wurden teils durchfahren, teils umfahren; die Neigungsverhältnisse
betrugen im Durchschnitt 11 o/oo; die Trassierung war sehr krümmungsreich. An
Tunnels mussten nur zwei gebaut werden: einer südlich von Bausnitz und der andere
zwischen den Stationen Wekelsdorf und Wekelsdorf Markt. Mit einer Ausnahme brauchten
keine spektakulären Brückenbauwerke errichtet werden. Eine zweifache Brückenkonstruktion
gibt es am Ortsrand von Parschnitz; auf der oberen verläuft die Bahnlinie Parschnitz
Schwadowitz, auf der 40 Jahre später errichteten unteren Brücke fährt
man von Parschnitz nach Wekelsdorf.
Sämtliche Vorgebirgsstrecken waren eingleisig ausgeführt, hatten einen leichten
Oberbau und ließen aufgrund von krümmungsreichen Trassierungen und häufig wechselnden
Neigungsverhältnissen eine maximale Geschwindigkeit von 75 km/h zu.

Ein Spiegelbild der historischen politischen
Entwicklung spiegelt sich auch im Fahrzeugpark wider. Die für den leichten Oberbau
konstruierten österreichischen Lokomotiven hatten einen Achsdruck von 10-12
t, einen Dampfdruck von 7-8 atü und waren infolgedessen, einhergehend mit der
energiearmen böhmischen Braunkohle, nicht sehr leistungsfähig. Das in Trautenau
eingerichtete Heizhaus, zur tschechischen Zeit "Lokdepot" und zur
Reichsbahnzeit "Bahnbetriebswerk" genannt, hatte den gesamten Personen-
und Güterzugdienst auf sämtlichen von Trautenau ausgehenden Strecken plus der
Lokalbahnstrecke Martinitz Rochlitz a. d. Iser durchzuführen. Beim Personenwagenpark
gab es die 1., 2. und 3. Wagenklasse, von 1865 bis 1885 sogar eine 4. Klasse
(keine Sitzplätze, die Reisenden absolvierten die Fahrt stehend). Die Güterwagen
waren analog den Personenwagen zweiachsig, nur 6,5 7,5 m lang, mit einem
Ladegewicht von 8 10 t. Der Zeit entsprechend waren beide Wagenarten
mit oder ohne Handbremse ausgerüstet.
Der technische Fortschritt zeigte sich analog den politischen Gegebenheiten.
Nach dem Ersten Weltkrieg gab es nach und nach leistungsstärkere Lokomotiven
sowie größere Personen- und tragfähigere Güterwagen. Die österreichischen Loks
wurden allmählich durch tschechische Eigenentwicklungen abgelöst. Zur Zeit des
Deutschen Reiches änderte sich nichts Wesentliches am Lokomotivbestand; lediglich
Maschinen der Deutschen Reichsbahn tauchten im Riesengebirgsvorland auf, das
zahlenmäßige Schwergewicht war aber durch den Altbestand aus tschechischen Zeiten
bestimmt. Nach 1945 verschwanden die Altreich-Loks wieder und Maschinen tschechischer,
technisch verbesserter Bauarten beherrschten das Streckenbild im Kreis Trautenau
bis 1974. Ab dieser Zeit begann die allmähliche Ablösung der Dampfloks durch
die Dieseltraktion, ab Sommer 1981 war der Dampfbetrieb aus dem Riesengebirgsvorland
verschwunden. Seitdem beherrschen Diesellokomotiven und -triebwagen das Bild.
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Die beiden Brücken am Ortsrand von
Parschnitz (obere: Strecke nach Bausnitz Königgrätz,
untere nach Wekelsdorf).
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Während des Ersten Weltkrieges wurden
sowohl das Streckennetz als auch der Lok- und Wagenpark "auf Bestand"
gefahren, so dass ab 1918 größere Reparaturen am rollenden Material und dringend
notwendige Instandsetzungsmaßnahmen am Gleisnetz durchzuführen waren. Der neue
Bahnbetreiber CSD beließ es bei der hehren Absicht und führte nur Ausbesserungen
durch. Die 1938 erhofften grundlegenden Instandsetzungen durch die Deutsche
Reichsbahn unterblieben ebenfalls, da der bald begonnene Zweite Weltkrieg alle
diesbezüglichen Pläne in jeder Hinsicht zunichte machte. Man kann sich also
gut vorstellen, wie heruntergekommen sowohl das rollende Material als auch das
Gleisnetz im Mai 1945 waren.
Als es im September 1938 für die Tschechoslowakei zur Gewissheit geworden war,
dass alle vorwiegend von Deutschen bewohnten Gebiete an Deutschland abgetreten
werden mussten, transportierten die CSD fast das gesamte rollende Material und
die maschinellen Einrichtungen der Lokdepots und Werkstätten in das Innere Böhmens
ab. Berichte von Reichsbahn-Eisenbahnern sagen aus, dass die Bahnhöfe und Güterabfertigungen
in den Kreisen Trautenau und Hohenelbe völlig leergeräumt waren. Dazu kam noch,
dass an einigen Streckenabschnitten Sprengungen der Gleise vorgenommen wurden.
Es dauerte dann bis zum Mai 1939, bis über einen vorläufigen Notbetrieb es zum
geordneten fahrplanmäßigen Reise- und Güterverkehr kam. Die neue Grenze zur
Rest-Tschechoslowakei zerschnitt "gewachsene" Bahnstrecken willkürlich
ohne Rücksichtnahme auf nichtvorhandene Grenzbahnhöfe. Zum einen war es der
neue Grenzverlauf an der Strecke Parschnitz Schwadowitz, ca. 2 km südlich
des Haltepunktes Bausnitz, zum anderen wechselte man an der Strecke Trautenau
Altpaka, ca. 4 km westlich des Bahnhofs Pelsdorf, die Grenze. Dagegen
gab es auf dem Gemeinschaftsbahnhof Liebau keine Pass- und Zollkontrolle mehr;
man blieb ja im Inland.
Eine erneute Grenzziehung gab es nach dem 08. Mai 1945; das Kriegsende bedeutete
das Ende jeglichen Reisezugverkehrs von Königshan über die Grenze nach Liebau
und darüber hinaus. Daran hat sich bis heute nichts geändert.
Im 19. Jahrhundert weisen die Bahnverbindungen,
mit denen das böhmische Riesengebirge mit seinem beginnenden Tourismus und der
aufstrebenden Textilindustrie von Prag (durchgehende Züge, Kurswagen) und Wien
(weder durchgehende Züge noch Kurswagen, dafür aber günstige Umsteigeverbindungen)
erreichbar war, eine zunehmende Tendenz in Bezug auf kürzere und häufigere Reisemöglichkeiten
auf. Der Lokalverkehr wies damals keine große Häufigkeit an täglich fahrenden
Reisezügen auf; so weist beispielsweise der Fahrplan 1873 für die Strecke Königshan
Schatzlar zwei Personenzüge je Tag aus, welche für die 6 km 20 Minuten
brauchten. Immerhin fuhren aber im gleichen Jahr fünf Personenzüge täglich auf
der Strecke Trautenau Freiheit-Johannisbad, die für die 10 km 40 Minuten
Fahrzeit benötigten (beginnender Tourismus?).
Interessant ist in den letzten 100 Jahren das Auf und Ab der Strecke Trautenau
Altpaka, deren frühere Bedeutung als D-Zug-Verbindung Freiheit-Johannisbad
Trautenau Prag total verschwunden ist, während die Strecke Trautenau
Josefstadt, die früher keine beschleunigten Reisezüge aufwies, heutzutage
mit 17 Reisezügen je Richtung (darunter 5 D-Züge nach Prag, Pilsen und Eger)
voll belegt ist.

Bestimmend, wo und wie im 19. Jahrhundert
die österreichischen Bahngesellschaften ihre Strecken und Bahnhöfe zu bauen
hatten, waren die Großgrundbesitzer und Fabrikanten. An den krümmungsreichen
Bahntrassen änderte sich auch später unter den Nachfolge-Bahnverwaltungen nichts.
Entgegen den ursprünglichen Erwartungen ließen die geringen Streckengeschwindigkeiten
und Achsdruck-Beschränkungen keine großen Verkehrsströme zu. Der Güterverkehr
hatte in erster Linie lokale Bedeutung (Kohle, Textilindustrie). Güter-Transit
von Schlesien nach Böhmen und umgekehrt wurde über Köngshan-Liebau abgewickelt.
Der Personenverkehr hatte und hat sowohl seine lokale Begrenzung als auch seine
touristische Bedeutung. Es gab auf diesen Strecken nie Züge mit klangvollen
Namen und mit sehr weiten Zugläufen sieht man einmal zu Reichsbahnzeiten
von Berlin und Stettin als Zielbahnhöfe ab. Erstaunlicherweise gab es nie eine
Direktverbindung mit Breslau und zur österreichischen Zeit mit Wien. Grenzverkehr
zur polnischen Staatsbahn in Schlesien über Liebau wird es wohl nie mehr geben.
Was bleibt, ist böhmischer Binnenverkehr, der durch vollständige Verdieselung
und teilweise wohldurchdachten Taktverkehr gekennzeichnet ist. Es bleibt zu
hoffen, dass das Streckennetz in der derzeitigen Ausdehnung einhergehend
mit einer zeitgemäßen Modernisierung erhalten bleibt.
Der vorstehende Beitrag ist eine Zusammenfassung meiner gleichnamigen Abhandlung,
die im April dieses Jahres im "Jahrbuch für Eisenbahngeschichte 2008"
der Deutschen Gesellschaft für Eisenbahngeschichte erschienen ist.
Mit dem Eisenbahn-Bazillus wurde ich bereits durch meinen Großvater Richard
Maul, der die Güterabfertigung in Parschnitz, oberer Bahnhof, leitete, infiziert.
Die über zwei Jahre dauernden Recherchen waren insofern schwierig, da a) die
Zahl von Zeitzeugen immer kleiner wird und b) Dokumente, welche das 20. Jahrhundert
betreffen, entweder 1945 vernichtet wurden oder in Archiven "verschwunden"
sind.