Öffnungszeiten: Dienstag
und Donnerstag von 9.00 bis 11.00 Uhr und nach Vereinbarung.
Telefon: (0931) 12 141 Fax: (0931) 57 12 30

In dem schönen, stattlichen Barockhaus
in Würzburg, Neubaustraße 12, führt eine kunstvolle eichene
Treppe in das dritte Obergeschoß, in dem sich die Heimatstube befindet.
Es hat sich als günstig erwiesen, daß uns die Patenstadt einen Raum
von 107 qm zur Verfügung gestellt hat. Hier finden wir vor uns ausgebreitet
unsere alte Heimat in all ihren Bereichen, und beim Betreten empfindet man,
als wäre man in sie zurückgekehrt. Und obwohl die Heimatstube nur
einen kleinen Ausschnitt wiedergeben kann, kommt einem zu Bewußtsein,
wie vielschichtig Heimat ist.

Teilansicht der Heimatstube
Inmitten des Raumes steht in einem Schaukasten ein Relief von ganz Nordostböhmen,
das Lm. Franz Müller in mehrjähriger Arbeit geschaffen hat. Auf diesem
sind zu sehen die Schneekoppe und die übrigen Berge des Gebirges. Entlang
der Flüsse, Bäche, auf Straßen und Wegen gelangt man in die
Dörfer und Städte, wo einmal die Menschen gewohnt haben. Auf zahlreichen
Wegen und Pfaden kann man die hügelige und abwechslungsreiche Landschaft,
wo Wälder, Wiesen und Felder ein farbiges Bild erzeugen, durchwandern.
Ein Ölgemälde von der Schneekoppe mit dem Riesengrund und vom Ziegenrücken
lassen den alpinen Charakter des Gebirges erkennen. Bilder von den Hochlagen
mit Bauden und solche aus dem Vorland vermitteln das vertraute Bild der Heimat.
Zwei Gebirgsbauden und ein Vierkant-Bauernhof als Modell nachgebildet, verdeutlichen
dieses anschaulich. Auch das Kirchlein von Switschin, das auf einem der letzten
Ausläufer des Gebirges wie ein Wachturm an der Sprachgrenze steht, wurde
von einem heimattreuen Landsmann nachgebildet.
Ein Kernstück ist eine Nachbildung des Trautenauer Ringplatzes mit seinen
Laubenhäusern, dem Rübezahlbrunnen, der Dreifaltigkeitssäule
und dem Uffo Horn-Denkmal. Der Ringplatz ist eine charakteristische Anlage des
Stadtkernes.
Da im Riesengebirge die Winter sehr kalt und schneereich sind, hat man beim
Bau der Stadthäuser das schützende Vordach der Gebirgsbaude als Laube
übernommen. So waren die Eingänge und Schaufenster der Geschäftshäuser
in der kalten Jahreszeit immer schneefrei und die Menschen waren nicht nur beim
Einkauf unter einem schützenden Dach, auch konnten sie bei jedem Wetter
einen Rundgang im Trockenen machen oder sich zu einem Stelldichein treffen.
Doch ist es sicher mehr als ein Zufall, wenn auf dem Ringplatz der "Rübezahlbrunnen",
die Dreifaltigkeitssäule und das Uffo Horn-Denkmal errichtet worden waren.
Der Berggeist Rübezahl als Brunnenfigur, Symbol des Gebirges mit seinen
Wäldern, Äckern und Wiesen, die Lebensgrundlage der Menschen.
Doch nicht vom "Brot" allein lebt der Mensch, haben sich wohl schon
unsere Vorfahren gesagt, sondern ohne Glauben und ohne Segen des Himmels ist
kein rechter Sinn in diesem Leben zu sehen. So errichteten sie inmitten des
größten und öffentlichen Platzes die "Dreifaltigkeitssäule".
Aber auch das Schöngeistige nimmt einen bedeutenden Platz im Leben des
Menschen ein. Daher setzten sie ihrem Dichter Uffo Horn ein Denkmal nicht allein
für seine Dichtung, sondern stellvertretend auch für alle anderen
Künstler, deren unsere Heimat eine große Zahl vorzuweisen hat.
Heute würde man sagen, der Ringplatz ist die "City" der Stadt
und dieses trifft auch zu. Hier befanden sich die Geschäftshäuser,
die Gaststätten und Cafes, im Rathaus die Stadtverwaltung und das Landratsamt.
Auch waren hier Arztpraxen und eine Apotheke, Banken und Rechtsanwaltskanzleien.
Rechts vom Eingang steht ein Teil einer Bauernstube im Original neu geschreinert,
die Möbel mit Feldblumen bemalt, wie es zu Hause Sitte war, auch ein Herrgottswinkel
mit zwei weiteren Heiligenbildern. Über dem Tisch hängt ein Lampenschirm.
Auf einem Wagenrad stehen Menschen, aus Holz geschnitzt, farbig bemalt und in
bäuerlicher Tracht und Symbolfiguren der vier Jahreszeiten von unserem
großen Bildhauer Emil Schwantner. Gottlob gibt es noch mehr von seiner
Hand geschaffene Kunstwerke. Neben einem gläsernen Schrein, in welchem
mehrere Kleinplastiken, darunter das "erblindete Grubenpferd", aufbewahrt
werden, hängt sein Bild in Öl, von Prause gemalt. Doch Emil Schwantner
verdient es, daß an dieser Stelle über seine Persönlichkeit
und seine Kunst ausführlicher berichtet wird. Lm. Ing. Erwin Schön
hat 1980 einen Bildband mit Werken von Schwantner herausgebracht, zu dem Dr.
Josef Mühlberger eine Einführung geschrieben hat. Weil kein anderer
dessen Persönlichkeit besser beschreiben könnte, aber auch die geistige
Atmosphäre in Trautenau von damals darin aufklingt, wurde diese hier abgedruckt.
(Fortsetzung des Textes: siehe Festschrift 30 Jahre Patenschaft)