M U N D A R T im Riesenbegirge

von R. Staffa

Es waren deutsche Siedler, die sich im 13. Jahrhundert und in der Folgezeit in unserem Gebiet niederließen und die ehedem mit Urwald bedeckten Landflächen urbar machten und kultivierten. Sie kamen vorwiegend- aus dem nahegelegenen Schlesien, aber auch aus Sachsen, Thüringen und Franken. Und sie brachten ihre heimatlichen Dialekte mit, die sich dann mit anderen Mundarten vermischten. So entstand schließlich in einem langen Zeitablauf unsere Riesengebirgs-Mundart. Ihren wesentlichen Bestandteilen nach wird sie zu der umfassenden Gruppe des "Schlesischen Dialektes" gezählt. Darin enthalten sind unverkennbare Anteile aus dem fränkischen Sprachgebrauch; dafür gibt es viele schlüssige Vergleiche. Unsere Mundart war seinerzeit in weiten Bereichen des Lebens die alltägliche Gebrauchssprache der Menschen, demnach ihre wahre Muttersprache; die reine Schriftsprache dagegen wurde nur vereinzelt verwendet. Der Philosoph Martin Heidegger hebt deshalb die Mundart als "Erstsprache" besonders heraus, er behauptet zudem: "Die Mundart ist nicht nur die Sprache der Mutter, sondern zugleich auch die Mutter der Sprache". Von Ort zu Ort gab es häufige Unterscheidungen in der Ausdrucksweise, die oft erkennen ließen, aus welcher Gemeinde man stammte. Auch unsere Mundart war nicht frei von derben oder sehr direkten Ausdrücken, andererseits vermochte sie aber auch, wohlklingend herzliche Lebensgefühle widerzuspiegeln. Aus dem zurückliegenden Jahrhundert sind durch die Vertreibung leider wertvolle Unterlagen unserer damaligen Mundart-Schriftsteller verlorengegangen, aber vieles ist uns doch erhalten geblieben, u.a. von Olga Brauner, Pater Meinrad, Gustl Steiner und Josef Tatsch.

Als Folge der Vertreibung nach 1945 wurden die jahrhundertealten deutschen Gemeinwesen entvölkert, wodurch unserer Mundart ihre verbindende Funktion als alltägliche Gebrauchssprache genommen worden ist. Umso wichtiger sind seitdem alle Bemühungen zu bewerten, dieses kulturelle Spracherbe unseren Landsleuten immer wieder nahezubringen. Von heimattreuen Riesengebirglern, wie von Franz Ronefeld, sind inzwischen zahlreiche heimatbezogene und erinnerungswerte Mundart-Beiträge geschaffen worden, die eine erfreuliche Ergänzung zu dem Nachlass unserer "Altmeister" darstellen. Damit kann dazu beigetragen werden, daß unsere Mundart noch eine geraume Zeit im Bewußtsein der Menschen aus dem Riesengebirge lebendig ist und für die Nachwelt erhalten bleibt. Mit zwei Beispielen aus den Jahren 1931 und 1935 soll gezeigt werden, wie treffend unsere Mundart alltägliche Begebenheiten wiedergeben konnte.

Die Kerchaspende

Gustl Steiner (geschrieben 1931)


Sagasser fuhrte Langholz aus m Posche, sei Jonge trotschte henderm Worne on tot die Schleife odrehn.

Of ejmol schterzte die ganze Fuhre of dam gootsjämmerlicha Holzwache aj a Loch naj on worsch nej menschamüchlich, dos Gesponn aus dam Loche wieder rauszobrenga.

Do fing Sagasser o zo bata: "Liewes Herrgootla! bis ock a su schien gebeta, on helf ons ock noch a ejnzichmol aus dam Loche raus; wenn mr glecklich rauskumma, war ich n Kerze aj die Kerche krorn, asu lang on decke, wie onse Dexl."

Kamm, doß a asu schien gebatt hotte, probierte a noch amol raus. Host a nej gesahn, zucha die Pfare zoglaich o, har vorne, dr JoInge henda tota schercha, on ains zwai worn se glecklich aus dam Loche hessa.

Do mejnte dr Jonge zo sem Voter: "Dos wad a schien Steckla Geld kosta, n fette lange on storke Kerze."

"Hiel ock die Gusche, vrmoledajtes Jongaoß, eße sein mr ju glecklich aus dam Loche hessa, on do war ich wull kejne feste gruße Kerze nej hejfa, ich tror a Kejkala aj die Kerche, on dos wad gor neij viel kosta."

 

´s Wiechapfard

JOSEF TATSCH (geschrieben 1935)


Der kleene Seff sterzt ganz dereifert
zo´r Mutter ei die Stuwe rei:
"Du Mutter, wos ich dich wullt´ frocha,
wos is dos für ´ne Lomperei?
Ich kon mei Wiechapfard nee fenda,
on s stond doch secher on gewieß
noch gestarn onderm Schoppadache;
weßt Du nee, wu die Mähre is?"
Die Mutter rockt´ of ihrem Schemel:
"Ich wullt´ dir'sch schun zo Mettich sorn-
du best ju doch mei gudes Seffla,
on warscht nee lange drüwer klorn.
Siech, heite kom a Batteljonge,
dar hot dei Pfarla stiehn gesahn;
dos orme Perschla hott´ ken Voter,
nu on do ho ich´s 'm halt gegan."
Dos Seffla zuch a schief Gesechte
on knautscht: "Jetzt is 's amol geschahn;
wenn ower har ken Voter hotte,
do kunntst ´m liewer onsa gan."


Bäckatnocha

Wie aj Trautna dr ale Kerchhof ufgelohn wur, do wurn Mönche ausgegrowa on om naja Friedhofe bajgesoßt.

Aj dar Zeit, wos die Ausgrowunga stotfonda, koma zwee ale Ausgedenger grode of a ala Kerchhof drzune, wie dr Tutagräwer n Bäcka ausgrowa tote, dan olle beede Ausgedenger noch zo sen Lawaszaita gut gekannt hotta.

Wail die Schule grode aus wor, koma a zwee Schuljonga drzune on stellta sich nawr die zwee ala Ausgedenger on socha zu, wos dr Tutagräwer met dr Schaffel aus dam Growe rausschmeißa tät. S meiste wor ju Arde, vrfaultes Holz vom Sorche on Knocha.

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