Das 3. Nordtreffen der Riesengebirgler in Rostock – 2003


Am 4. und 5. Oktober 2003 fand in Rostock das 3. Nordtreffen der Riesengebirgler statt.

Sie finden hierzu einige Bilder und einen kurzen Bericht.

 

Bericht zum Nordtreffen – 2003

Etwa 350 Riesengebirgler – sowohl von der böhmischen als auch von der schlesischen Seite – trafen sich am ersten Oktoberwochenende zu dem vom Riesengebirgler Heimatkreis Trautenau organisierten 3. Nordtreffen in der Hansestadt Rostock. In den zwei Tagen wurde ein äußerst umfangreiches Programm geboten, das sowohl von den politischen Forderungen als auch von der Vielfalt der Kultur der Heimat zeugte.

Nach der Eröffnung am Samstag um 10 Uhr durch Oberst a. D. Werner Haase, I. Vorsitzender des Heimatkreises Trautenau, begrüßte Rübezahl mit seinen Zwergen die Gäste. Im Anschluss trafen sich die Heimatortsbetreuer zu einer Gesprächsrunde. Parallel dazu fanden sich in der Mensa die Sangesfreudigen zu einem Singekreis zusammen, der eine unerwartet hohe Resonanz fand, während im Saal die ersten persönlichen Begegnungen stattfanden.

Als prominentesten Ehrengast der Festveranstaltung am Samstagnachmittag konnte Peter Barth, Vorstandsmitglied des Heimatkreises Trautenau und für die Nordtreffen verantwortlich, den CDU-Landes- und Fraktionsvorsitzenden von Mecklenburg-Vorpommern, Eckhardt Rehberg, begrüßen. Von dem gastgebenden Heirnatkreis waren der I.Vorsitzende. Oberst a. D. Werner Haase, sowie das Vorstandsmitglied Rudi Staffa anwesend, von den eingeladenen HK Hohenelbe der I. Vorsitzende Christian Eichmann, von Braunau Pater Benedikt Gleißner aus dem Kloster Rohr sowie von den Schlesiern der Kreisvorsitzende von Stralsund, Hartmut Olejnik. Als weitere Gäste konnten die Vorsitzenden der SL-Landesgruppe MV, Walter Zluwa, der Pommern, Ostpreußen, der Danziger und des BdV's begrüßt werden.

In seinem Grußwort stellte Eckhardt Rehberg – ebenso wie der Vorsitzende des Riesengebirgler Heimatkreises Trautenau. Oberst a. D. Werner Haase, in seiner Festrede – fest, dass die Enteignungs- und Vertreibungsdekrete des damaligen Präsidenten Benesch, von denen sich auch die heutige Regierung der Tschechischen Republik nicht distanziert, nicht mit den Prinzipien der EU zu vereinbaren sind. Bei diesem Thema besteht weiterhin Gesprächsbedarf. Rehberg würdigte das Verhalten der deutschen Vertriebenen, die bereits 1950 in ihrer Charta auf Rache und Vergeltung verzichteten, aber heute noch vergeblich auf eine Resonanz der Vertreiberstaaten warten und wies in Verbindung mit dem Tag der Einheit daraufhin, dass vor 13 Jahren ein derartiges Treffen weder in Rostock noch in einem anderen Ort der neuen Bundesländern möglich gewesen wäre.

In seiner Festrede berichtete Haase zunächst über die Entwicklung und die Treffen des Heimatkreises Trautenau, von denen bereits 60 im Süden Deutschlands stattgefunden haben und man sich im Norden nun auch schon wieder das dritte Mal trifft. Im weiteren Verlauf der Rede ging Haase dann hart mit der deutschen Regierung, insbesondere mit Bundeskanzler Gerhard Schröder und Außenminister Joschka Fischer, ins Gericht. Sie kommen in keiner Weise ihrer Obhutspflicht gegenüber den deutschen Vertriebenen nach. Das bezieht sich beispielsweise auf die gesamte Entwicklung zur Aufnahme Tschechiens und Polens in die EU sowie auf ihre Stellungnahmen zur Entschädigung deutscher Zwangsarbeiter. Man könne fast meinen, dass mehr die tschechischen und polnischen Interessen vertreten werden als die des eigenen Volkes. Nur durch dieses deutsche Desinteresse ist es erklärlich, dass das Europäische Parlament von der ursprünglichen Ablehnung der Benesch-Dekrete später abwich. Nicht nur Schröder und Fischer, auch viele andere Politiker übersehen, dass die Tragödie der Sudetendeutschen nicht erst 1938, sondern bereits 1918/19 beginnt, als ihnen das Recht auf Selbstbestimmung verweigert wurde.

Haase stellte sich auch klar hinter die Forderungen des Bundes der Vertriebenen, das "Zentrum gegen Vertreibungen" in Berlin zu errichten - auch hier keinerlei Unterstützung durch die deutsche Regierung, im Gegenteil, man solle es im Ausland, beispielsweise in Breslau, errichten. Viele Versöhnungsgesten der Sudetendeutschen werden zwar von einem Teil der Bevölkerung, nicht aber seitens der Regierung wahrgenommen. Und Haase abschließend: "Wir Riesengebirgler stehen fest zu unserer Heimat, wer auch immer jetzt dort wohnt. Sie mögen es auch ihre Heimat nennen. Es wird die Zeit kommen, da die jetzt dort Wohnenden und wir von dort Vertriebenen miteinander in einer gemeinsamen Heimat leben werden. Dann ist Europa, wie ich es mir vorstelle, Wirklichkeit geworden". Der festliche Teil fand seinen Abschluss mit dem gemeinsamen Singen des Riesengbirgs- und Schlesierliedes.

Im kulturellen Teil der Festveranstaltung, gestaltet vom Chor der SL Stralsund, wechselten heimatliche Lied- und Wortbeiträge in bunter Folge und es wurde das Anliegen des Heimatkreises deutlich, das kulturelle Erbe der Heimat zu erhalten und zu pflegen.

Ganz der Pflege der heimatlichen Sprache galt dann die Mundartstunde, in der sowohl Vertreter der böhmischen, als auch der schlesischen Seite zu Wort kamen. Der vollbesetzte Raum und der begeisterte Beifall bewiesen, dass der Riesengebirgsdialekt auch nach so vielen Jahren nach der Vertreibung immer noch sehr lebendig und beliebt ist.

Abends traf man sich zum Ball der Riesengebirgler mit "freien Einlagen" der Landsleute. Bei heimatlichen Beiträgen heiterer Natur wurden viele Erinnerungen wach und sehr viel gelacht. Und tüchtig wurde auch getanzt.

Am Sonntag bestand die Möglichkeit der Teilnahme am Erntedankgottesdienst in der Nachbargememde Evershagen. Symbolisch für das Anliegen der Völkerverständigung war, dass die Messe von dem polnischen Spiritaner-Pater Johannes mit zelebriert wurde. Am späten Vormittag wurde ein Dia-Spaziergang über den Kamm des schönen Riesengebirges mal mit Abstechern auf die Süd- (Böhmen), mal auf die Nordseite (Schlesien) gemacht. Durch die ausdrucksvollen Farbbilder wurde allen noch einmal ganz besonders die Schönheit unserer Heimat bewusst. Mit dem Vortrag von Seemannsliedem holte Hans Knauer, vielen bekannt aus der DDR- Fernsehsendung "Hafenbar", die Besucher wieder in die Gegenwart, an die Ostseeküste, zurück. Anschließend gab es dann, ebenso wie zwischen den einzelnen Veranstaltungen, noch viele persönliche Begegnungen.

Es soll auch noch das große Medieninteresse erwähnt werden. Der NDR-Radio MV war anwesend, es gab dpa-Meldungen und alle großen Tageszeitungen von MV sowie mehrere regionale Blätter informierten im Vorfeld bzw. berichteten danach. Und natürlich fand das Treffen auch in der sudetendeutschen, selbst in Österreich, sowie in der schlesischen Presse große Resonanz.

Peter Barth

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