Meine lieben Landsleute, verehrte
Gäste!
Unser diesjähriges Treffen findet in einem denkwürdigen Jahr statt:
60 Jahre seit Kriegsende
60 Jahre seit Beginn der völkerrechtswidrigen, wilden Vertreibung aus unserer
Heimat.
Man konnte in den letzten Monaten oft den Satz hören: "Befreiung der Deutschen
durch die Alliierten".
Die Alliierten sind nie und nimmer angetreten um die Deutschen vom Nationalsozialismus
zu befreien.
Sie sind angetreten, mit dem Ziel den Nationalsozialismus auszurotten und Deutschland
zu vernichten. Wie anders wäre der aus militärischer Sicht völlig sinnlose Bombenterror
auf deutsche Städte im Frühjahr 1945 zu erklären. Ich kann mir nicht vorstellen,
dass die Bürger von Dresden nach dem Bombardement am 13./14. Februar 1945, durch
die Alliierten Monate später sich von diesen befreit fühlten.
Das Bestehen auf einer bedingungslosen unwiderruflichen Kapitulation ist ein
weiteres Indiz für meine Feststellung.
Wenn Befreiung dann gilt dies einzig und allein:
für die unter dem Nationalsozialismus Verfolgten
für die in den Vernichtungslagern geschundenen
für die in den Gestapokellern Gequälten
Wir Deutsche dankten vor 60 Jahren Gott, nicht den Alliierten, dass das sinnlose
Sterben auf den Schlachtfeldern und die Bombenangriffe endlich ein Ende hatten.
Ein Aufatmen ging durch die Bevölkerung!
Das ersehnte Kriegsende wurde jedoch in den ersten Nachkriegsmonaten überschattet
durch die grausame Rache der "Sieger" an der Zivilbevölkerung und
an wehrlosen Soldaten, besonders im Osten Deutschlands. Die sich andeutende
Teilung Deutschlands, Europas, ja der Welt, in zwei Lager, ließ Böses ahnen.
Diese böse Ahnung sollte sich besonders schwer, ja grausam, an uns Sudetendeutschen
erfüllen.
Ich erinnere:
An den Brünner Todesmarsch
An die Elbe-Brücke von Aussig
An das bestialische Morden im Stahover Stadion in Prag.
Und letztlich die Vertreibung aus unserer angestammten Heimat.
Auch 60 Jahre danach folgt das offizielle Deutschland, d.h. die gegenwärtige
Regierung, ein Großteil der Presse, wie der Bevölkerung, der Begründung der
Vertreibung aus tschechischer Sicht.
Wie anders ist ein Kommentar der Zeit in diesem Frühjahr zu erklären.
Ich zitiere sinngemäß: „Die Nationalsozialisten haben die Tschechen vertrieben
folgerichtig haben die Tschechen die Deutschen vertrieben".
Ein ehemaliger Bundespräsident nannte die Vertreibung: „ Eine erzwungen Wanderschaft".
Bundeskanzler Schröder, anlässlich des 60. Jahrestages des Warschauer Aufstandes:
"Die deutschen Vertriebenen dürfen die Geschichte nicht auf den Kopf stellen"
(Restutionsansprüche). Hier stimmt Schröder voll mit Herrn Klaus überein.
Die Geschichte nicht auf den Kopf stellen oder nicht neue schreiben ist auch
seine Argumentation. Die Fakten der Geschichte die Willkürherrschaft der Tschechen
gegenüber uns Sudetendeutschen, beginnend mit den Geschehnissen vom 04. März
1919 bis 1938 wird von diesen beiden Herrn wissentlich nicht zur Kenntnis
genommen. Für Schröder sind und bleiben wir eine Randgruppe!
Ein gerade zu erschreckendes Bespiel, wie man vergleichbare geschichtliche Tatsachen,
unterschiedlich beurteilt, ist der gemeinsame Antrag aller Fraktionen im Bundestag
anlässlich des Völkermordes der Türken an den Armeniern vor 90 Jahren. Man bedauert,
dass in der Türkei eine Diskussion über dieses Thema weiterhin unerwünscht ist.
Der Bundestag sieht mit tiefer Sorge, dass das Ausmaß der Massaker und der Deportation
immer noch verharmlost und weitgehend bestritten wird.
Weiter heißt es, man höre und staune,
„Diese türkische Haltung stehe im Widerspruch zu der Idee. Versöhnung, welche
die Werte der Wertegemeinschaft in der Europäischen Union leite.
Ich wollte, ein derartigem Antrag wäre vor Beginn der Beitrittsverhandlungen
der EU mit Tschechien vom Deutschen Bundestag gestellt und einstimmig beschlossen
worden.
Auch die neuerlichen Äußerungen von Herrn Klaus nimmt die Bundesregierung ohne
Widerspruch hin. Klaus verteidigte erneut die Vertreibung der deutschen Bevölkerung
seines Landes nach dem 2. Weltkrieg als, präventive Maßnahme die einen neuen
Krieg verhindern sollte.
Die Vertreibung ist "ausschließlich Wirkung, nicht Ursache" gewesen.
Ein weiterer Beweis für seine Uneinsichtigkeit ist die Enthüllung des Benesch-Denkmals
vor dem Außenministerium in Prag. Ein Denkmal für einen Politiker, der schon
am 12. Mai 1945 ganz offen erklärte: Mein Programm ist dass wir die deutsche
Frage in der Republik völlig liquidieren müssen.
Dazu Frau Steinbach: Wer in voller Kenntnis all der Verbrechen, die infolge
seiner Anordnungen verübt worden sind, dem Urheber Benesch, heute noch mit einer
Statue ehrt, der will nicht nur gezielt provozieren, der rechtfertigt damit
auch die Vertreibung und geht kaltschnäuzig über die dabei begangenen Verbrechen
hinweg. Ich habe dem nichts hinzuzufügen.
Wen wundert es wenn in einer derartigen Atmosphäre der ehemalige KZ-Häftling
Oldrich Stransky wegen zu freundlichen Kontakten zu deutschen Vertriebenen,
aus dem "Verband der Freiheitskämpfer" ausgeschlossen wurde.
Der 84 jährige Stransky war wiederholt bei Diskussionen zum Thema "Aussöhnung
zwischen Tschechen und Sudetendeutschen aufgetreten", "Mit solchen
Leuten kann man nicht vertrauensvoll zusammenarbeiten" so eine Verbandssprecherin.
Letzte Umfragen in Tschechien ergaben:
54 Prozent befürworten nach wie vor die Vertreibung als gerecht
27 Prozent sind gegenteiliger Meinung
64 Prozent sind gegen eine Aufhebung der Benesch-Dekrete
7 Prozent dafür.
Umso ermunternder sind:
In Deutschland
die Aussagen des Bundespräsidenten Köhler anlässlich der 60-jährigen Wiederkehr
des Kriegsendes in einer Gedenkstunde im Reichstag.
"Wir trauern um alle Opfer Deutschlands, um die Opfer der Gewalt die von
Deutschland ausging und um die Opfer der Gewalt die auf Deutschland zurückschlug,
weil wir gerecht gegen alle Völker sein wollen, auch gegen unser eigenes".
In Tschechien
die Erklärung der Tschechischen Bischofkonferenz, deren Vorsitzender der Olmützer
Bischof Jan Graubner ist.
60 Jahre nach Kriegsende rufen die Bischöfe die tschechische Nation zur Versöhnung
mit den Sudetendeutschen auf
Im Auszug:
"Deswegen ist es notwendig eine Versöhnung mit unseren früheren Mitbürgern
deutscher Nation und ihrer Nachkommen anzustreben, die nach dem ungerechten
Prinzip der Kollektivschuld vertrieben worden sind. Wobei mit den Schuldigen
auch unschuldige gelitten haben".
Ein wahrhaft mutiges Signal.
Ebenso das Bekenntnis zur Aussöhnung von Dr. Josef Koukl, Altbischof der Diözese
Leitmaritz über viele Jahre hinweg ist er für gegenseitiges Verstehen und einem
friedlichen Miteinander eingetreten.
Als Dank und Anerkennung wurde ihm der diesjährige Sudetendeutsche Karlspreis
verliehen.
Hier der Schluss seiner Dankrede:
"Am Ende wünsche ich Ihnen und mir selbst, dass sich einmal der Traum Karls
des IV verwirklicht: Ein Land freudiger und glücklicher Menschen, die sich gegenseitig
untereinander lieben und gemeinsam Gottes Reich der Liebe und Gerechtigkeit
bauen.
Gott gebe es uns!
Möge Gott die Offiziellen und alle ewig gestrigen in Tschechien erleuchten,
damit sich der Traum Karls des IV im Herzen Europas verwirklicht."
Wir aus unserer Heimat Vertriebenen wünschen uns nichts sehnlicher.
Meine Damen und Herren, die erste Erleuchtung ist einem Regierenden in Tschechien
bereits gekommen.
Ermutigend und ein Schritt in Richtung Versöhnung sind die Äußerungen von Premierminister
Jiri Paroubek vor Monaten in Wien (14.07.05).
Er erkennt an, dass die Sudetendeutschen im NS besetzten Böhmen nicht per se
durchweg Verräter und Verbrecher waren, die zu Recht kollektiv vertrieben worden
seien. Was unter den tschechischen Ministerpräsidenten Zeman, Spidla und Gross
zwar immer wieder angekündigt aber nie verwirklicht wurde, hat ihr Nachfolger
Jiri Paroubek wahr gemacht. Die Prager Regierung hat am 24. August 2005 den
Deutschen die vor dem 2. Weltkrieg auf dem Gebiet der heutigen Tschechischen
Republik, die der Tschechoslowakischen Republik, loyal blieben, und sich aktiv
am Kampf, um ihre Befreiung beteiligt haben oder unter dem Naziterror gelitten
haben, ihre tiefe Anerkennung ausgesprochen.
Die Erklärung richtet sich an die
"aktiven Gegner der Nationalsozialismus, die nach Ende des 2. Weltkrieges
von den Maßnahmen Benesch Dekrete betroffen wurden, die gegen die "Fremdbevölkerung",
darunter fallen auch wir Sudetendeutschen in der CSR, ergriffen wurden."
In der Erklärung heißt es weiter:
"Die Tschechische Regierung entschuldigt sich bei allen aktiven Gegnern
des Nationalsozialismus die auf diese Weise behandelt worden sind".
Meine Damen und Herren, was heißt hier "die auf diese Weise" warum
nennt man das Kind nicht beim Namen. Sind es die, die entrechtet, misshandelt,
ihres Eigentums beraubt und letztlich vertrieben wurden? Oder wer?
Es wurde somit eine "symbolische Geste" gesetzt, die der sozialdemokratische
Ministerpräsidenten Jiri Paroubek am 14. 07.05 in Wien angekündigt hatte.
Eine finanzielle Entschädigung ist mit der symbolischen Anerkennung nicht verbunden.
Die Regierung verspricht weiter:
Ein Projekt zur Dokumentation des Schicksals von Individuen zu injizieren, die
auf diese Weise wieder auf diese Weise betroffen wurden.
Das Projekt soll mit rund einer Million € dotiert werden. Ich nehme an finanziert
aus dem "Deutsch-Tschechischen" Zukunftsfond.
Beauftragt mit dem Projekt werden wahrscheinlich das in Aussig beheimatete "Collegium
Bohemikum" und die Akademie der Wissenschaften.
Zu diesem Schritt, so Außenminister Svoboda, sei Prag ermutigt worden dank der
versöhnlichen Politik der "Rot-Grünen-Bundesregierung".
Also eine Wahlspende an Schröder dem die Tschechen ja so viel zu verdanken haben.
Die symbolische Geste wird allgemein als eine erster Schritt in die richtige
Richtung begrüßt, von Bernd Posselt als auch vom Ministerpräsidenten Stoiber.
So sieht es auch unsere Schirmherrschaftsministerin Christa Stewens. Allerdings
fügt sie hinzu:
"Da es keine gerechte Vertreibung gibt, darf man aber auch nicht die Vertreibung
der Antifaschisten als bedauerlich, die aller übrigen als gerechtfertigt ansehen."
Dies hätte keinen Bestand vor dem Rechtsempfinden und der Würde des Menschen.
Vertreibung ist und bleibt ein Unrecht und ein Verstoß gegen die Menschenrechte,
ganz gleich wen sie getroffen hat.
Frau Stewens weiter: "Wir befinden uns am Anfang eines Dialogs". Wer
anders als Präsident Klaus, unser besonderer Gönner, könnte dagegen sein. Er
kritisiert seine eigene Regierung für ihre "falsche, unnötige, hohle Geste",
die der Tschechischen Republik schaden zufügen könnte.
Dieses heikle Kapitel sei 1997 mit der Deutsch-Tschechischen Erklärung gelöst
und abgeschlossen worden.
Zu dem beziehe sich diese "unüberlegte Geste" auf eine Gruppe von
Personen, die sich kaum definieren lässt und in vielen Fällen problematisch
sei. Hier gebe ich ihm allerdings recht (Soldaten). Es sei ein Fehler gewesen,
dass ihn die Regierung und das Außenministerium in dieser Frage, nicht um Rat
gebeten habe.
Ich hoffe, dass auch Herrn Klaus, bezogen auf uns, die Erleuchtung kommt. Als
einen weiteren Schritt in Richtung Versöhnung, sehe ich die Enthüllung einer
Gedenktafel am Geländer der Elbbrücke Aussig. 60 Jahre nach dem Massaker an
deutsche Zivilisten. Ich erinnere:
Es war am 31. Juli 1945, unmittelbar nach einer Explosion auf einem Fabrikgelände
in Aussig, wer diese Explosion auslöste, bleibt bis heute im Dunkeln, kam es
aus meiner Sicht, zu einem perfekt vorbereiteten Massenmord an unschuldigen
Sudetendeutschen. Wehrlose Frauen, Kleinkinder in Kinderwägen und Greise wurden
gnadenlos in die Elbe geworfen. Wer sich schwimmend retten wollte wurde mit
Maschinenpistolen kaltblütig erschossen. Noch weit auf sächsischem Gebiet wurden
Tote aus der Elbe geborgen.
Zurück zur Gedenktafel.
Mit großem diplomatischen Bahnhof, Tschechiens Vizeaußenminister Müller, der
Botschafter der USA Cabanis, der stellvertretende deutsche Botschafter Scharinger
usw. Darunter auch Nachkommen der Opfer wurde unter den Klängen Beethovens 5.
Sinfonie Ende Juli 2005 die Gedenktafel enthüllt. Die Inschrift der Gedenktafel
im Tschechisch und Deutsch lautet: "Zum Gedenken der Opfer der Gewalt vom
31. Juli 1945."
Wieder nur ein halbherziger Schritt in Richtung Versöhnung, denn nach heftigen
Protesten in Tschechien durfte die Volkszugehörigkeit der Opfer aus der Tafel
nicht genannt werden. Welch ein bedauernswertes Volk das sich zu seinen Verbrechen
an Unschuldige nicht bekennt. Wer waren also diese Opfer? Der Betrachter, dem
die Geschichte, der Leidensweg unserer Volksgruppe, unbekannt ist, wird sich
die Frage stellen wer hat hier wen umgebracht. Ein mutiger Schritt wäre gewesen,
die Volkszugehörigkeit der Opfer zu nennen und die nach unserem Oberpeiniger
"Edvard Benesch" benannte Brücke umzubenennen.
Meine lieben Landsleute, verehrte Gäste, bis auf wenige Persönlichkeiten, einzelne
habe ich genannt, tut sich die überwiegende Mehrzahl der Tschechen nach wie
vor schwer sich zu den an uns begangenen Verbrechen zu bekennen. Leider, leider
auch mit weitgehender Unterstützung unserer Regierenden und der zunehmenden
Gleichgültigkeit eines großen Teiles der Bundesbürger, wie unserer eigenen Landsleute.
Ich begrüße daher jeden Schritt der einer Annäherung zwischen Tschechen und
Sudetendeutschen dient, auch wenn er noch so klein ist. Allerdings muss ich
feststellen, bei einer Beurteilung der gegenwärtigen Gesinnungslagen in Tschechien,
dürften es bis zu einer offenen, ehrlichen Aussöhnung, ich betone offen und
ehrlich, noch ein langer Weg sein.
Ich zitiere Adenauer in Bezug auf die Wiedervereinigung unseres Vaterlandes
"Immer daran denken, nie davon reden". Wir sollten was unser Schicksal
betrifft: "Immer dran denken aber auch darüber reden, sonst geraten wir
schnell in Vergessenheit".
Meine lieben Landsleute, verehrte Gäste ich wünsche Ihnen allen
- eine gute Unterhaltung
- viel Wiedersehensfreude.
Ich bin mir sicher unsere geliebte Heimat wird in diesen drei Tagen allgegenwärtig
sein. Möge der Rübezahl auch weiterhin seine schützendende Hand über uns halten.
Gott schütze sie.
Ihr Werner Haase