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Christian Eichmann,
1. Vorsitzender des Heimatkreises Hohenelbe, verwies in seinem Grußwort
zunächst darauf, dass nun nach dem 45. Bundestreffen der Hohenelber in
Erfurt auch hier die Möglichkeit des Treffens bestehe, "ohne nach
Bayern fahren zu müssen" und weiter: "Nach 60 Jahren warten
wir immer noch auf Gesten der Politiker und Tschechen, dennoch gibt es
in einigen tschechischen Kommunen Anzeichen, die zu Ermutigungen Anlass
geben. Wir wollen diese Ansätze nicht überbewerten, dennoch empfehle ich,
die uns entgegengestreckten Hände anzunehmen."
In seiner Festansprache
kritisierte Oberst a.D. Werner Haase, I. Vorsitzender des Heimatkreises
Trautenau, wiederum scharf die "neuen und alten Gegner", die
Regierungen der Bundesrepublik und Tschechiens, aber auch die alliierten
Siegermächte von 1945. Während es auf unterer Ebene, zwischen den vertriebenen
Deutschen und den heute dort lebenden Tschechen, vielfach zu freundschaftlichen
Begegnungen komme, werden seitens der Regierungen die Vertriebenen in
vollkommener Verkennung der Realitäten immer noch als Störenfriede dargestellt.
Es gäbe zwar erste vorsichtige Versuche der Annäherung, wie z.B. die Äußerung
des tschechischen Premierministers Jiri Paroubek, der anerkennt, dass
nicht alle Sudetendeutschen zurecht vertrieben wurden. Sofort fänden sich
jedoch Gegner in den eigenen Reihen, insbesondere in der Person des Präsidenten
Vaclav Klaus. Positive Äußerungen gebe es dagegen auch von kirchliche
Seite (siehe RH Nr. 7, Seite 6). Haase nannte auch die Enthüllung eine
Gedenktafel an der Elbbrücke in Aussig (siehe RH Nr. 10, Seite 7) einen
richtigen Schritt, doch eben insbesondere auch hinsichtlich der
Inschrift nur ein bescheidener Anfang. Und Haase schloss bezugnehmend
auf unser Schicksal, mit der Aufforderung an seine Landsleute: "Immer
daran denken aber auch darüber reden sonst geraten wir schnell
in Vergessenheit."
Den kulturellen Teil gestaltete wie in den Vorjahren der
SL-Chor von Stralsund, unter
der Leitung von Bärbel Friese, moderiert von Franz Ronefeld. Lieder der
Heimat, oftmals auch die Verbindung zum Norden herstellend, standen auf
dem Programm. Ebenso die vielfach heiteren Wortbeiträge, wobei auch die
Mundart nicht vergessen wurde Eigentlich schade, dass es die Besucher,
trotz der anspruchsvoller Darbietungen, so eilig an das Kuchenbüffet zog.
Leider stand im Gegensatz zu den Vorjahren für den Lichtbildervortrag
nur ein kleiner Raum zur Verfügung, der nicht alle Interessenten fassen
konnte. Heribert Rong zeigte aus eigenen Reserven Dia; aus Prag und dem
Riesengebirge. Aus technischen Gründen konnten die noch geplanten Bilder
aus dem südöstlichen Teil des Kreises Trautenau sowie von Rostock nicht
mehr gezeigt werden. Ebenso musste der kurzfristig geplante "zweite
Durchlauf" ausfallen. Schade nun werden es aber die Rostocker "unter
sich nachholen".
Nach dem Abendbrot traf man sich zum Heimatabend, bei dem es viele interessante
Begegnungen und Gespräche gab und bei Keyboard-Klängen auch tüchtig getanzt
wurde.
Der Sonntag begann mit einem ganz besonderen Höhepunkt, ein "Novum"
in der nun schon sechsjährigen Geschichte der Nordtreffen. Erstmalig konnte
eine "eigne" Heilige Messe "vor Ort", im Saal vom
Nordlicht, zur optimalen Zeit gefeiert werden, eingebunden in das reguläre
Programm. Die Gläubigen mussten nicht, wie in den Vorjahren, in einen
anderen Stadtteil fahren. Und sogar mit einem "Heimatpfarrer",
Pfarrer Wenzel Baudisch aus Bernsdorf, der heute in der Nähe von Würzburg
eine eigene Pfarre hat. Seine Stimmgewalt ließ bei der feierlichen Schubertmesse
auch die fehlende instrumentale Begleitung nicht vermissen. In der eindrucksvollen
Predigt wies Pfarrer Baudisch auf das schwere Schicksal der Vertreibung
vor 60 Jahren hin, mahnte jedoch auch Aussöhnung auf politischer Ebene
an, die in den Beziehungen der Vertriebenen und den jetzt dort Lebenden
längst Realität sei. Dies komme insbesondere auch bei den Besuchen in
der Heimat und der Unterstützung durch die Vertriebenen bei dem Erhalt
der in der kommunistischen Vergangenheit verfallenen Kirchen immer wieder
zum Ausdruck.
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