Beeindruckendes Bekenntnis zur Heimat

400 Besucher beim 4. Nordtreffen Riesengebirgler in Rostock – 2005.

– Fortsetzung –

Christian Eichmann, 1. Vorsitzender des Heimatkreises Hohenelbe, verwies in seinem Grußwort zunächst darauf, dass nun nach dem 45. Bundestreffen der Hohenelber in Erfurt auch hier die Möglichkeit des Treffens bestehe, "ohne nach Bayern fahren zu müssen" und weiter: "Nach 60 Jahren warten wir immer noch auf Gesten der Politiker und Tschechen, dennoch gibt es in einigen tschechischen Kommunen Anzeichen, die zu Ermutigungen Anlass geben. Wir wollen diese Ansätze nicht überbewerten, dennoch empfehle ich, die uns entgegengestreckten Hände anzunehmen."

In seiner Festansprache kritisierte Oberst a.D. Werner Haase, I. Vorsitzender des Heimatkreises Trautenau, wiederum scharf die "neuen und alten Gegner", die Regierungen der Bundesrepublik und Tschechiens, aber auch die alliierten Siegermächte von 1945. Während es auf unterer Ebene, zwischen den vertriebenen Deutschen und den heute dort lebenden Tschechen, vielfach zu freundschaftlichen Begegnungen komme, werden seitens der Regierungen die Vertriebenen in vollkommener Verkennung der Realitäten immer noch als Störenfriede dargestellt. Es gäbe zwar erste vorsichtige Versuche der Annäherung, wie z.B. die Äußerung des tschechischen Premierministers Jiri Paroubek, der anerkennt, dass nicht alle Sudetendeutschen zurecht vertrieben wurden. Sofort fänden sich jedoch Gegner in den eigenen Reihen, insbesondere in der Person des Präsidenten Vaclav Klaus. Positive Äußerungen gebe es dagegen auch von kirchliche Seite (siehe RH Nr. 7, Seite 6). Haase nannte auch die Enthüllung eine Gedenktafel an der Elbbrücke in Aussig (siehe RH Nr. 10, Seite 7) einen richtigen Schritt, doch eben – insbesondere auch hinsichtlich der Inschrift – nur ein bescheidener Anfang. Und Haase schloss bezugnehmend auf unser Schicksal, mit der Aufforderung an seine Landsleute: "Immer daran denken aber auch darüber reden – sonst geraten wir schnell in Vergessenheit."

Den kulturellen Teil gestaltete – wie in den Vorjahren – der SL-Chor von Stralsund, unter der Leitung von Bärbel Friese, moderiert von Franz Ronefeld. Lieder der Heimat, oftmals auch die Verbindung zum Norden herstellend, standen auf dem Programm. Ebenso die vielfach heiteren Wortbeiträge, wobei auch die Mundart nicht vergessen wurde Eigentlich schade, dass es die Besucher, trotz der anspruchsvoller Darbietungen, so eilig an das Kuchenbüffet zog.

Leider stand – im Gegensatz zu den Vorjahren – für den Lichtbildervortrag nur ein kleiner Raum zur Verfügung, der nicht alle Interessenten fassen konnte. Heribert Rong zeigte aus eigenen Reserven Dia; aus Prag und dem Riesengebirge. Aus technischen Gründen konnten die noch geplanten Bilder aus dem südöstlichen Teil des Kreises Trautenau sowie von Rostock nicht mehr gezeigt werden. Ebenso musste der kurzfristig geplante "zweite Durchlauf" ausfallen. Schade nun werden es aber die Rostocker "unter sich nachholen".

Nach dem Abendbrot traf man sich zum Heimatabend, bei dem es viele interessante Begegnungen und Gespräche gab und bei Keyboard-Klängen auch tüchtig getanzt wurde.

Der Sonntag begann mit einem ganz besonderen Höhepunkt, ein "Novum" in der nun schon sechsjährigen Geschichte der Nordtreffen. Erstmalig konnte eine "eigne" Heilige Messe "vor Ort", im Saal vom Nordlicht, zur optimalen Zeit gefeiert werden, eingebunden in das reguläre Programm. Die Gläubigen mussten nicht, wie in den Vorjahren, in einen anderen Stadtteil fahren. Und sogar mit einem "Heimatpfarrer", Pfarrer Wenzel Baudisch aus Bernsdorf, der heute in der Nähe von Würzburg eine eigene Pfarre hat. Seine Stimmgewalt ließ bei der feierlichen Schubertmesse auch die fehlende instrumentale Begleitung nicht vermissen. In der eindrucksvollen Predigt wies Pfarrer Baudisch auf das schwere Schicksal der Vertreibung vor 60 Jahren hin, mahnte jedoch auch Aussöhnung auf politischer Ebene an, die in den Beziehungen der Vertriebenen und den jetzt dort Lebenden längst Realität sei. Dies komme insbesondere auch bei den Besuchen in der Heimat und der Unterstützung durch die Vertriebenen bei dem Erhalt der in der kommunistischen Vergangenheit verfallenen Kirchen immer wieder zum Ausdruck.

Auch in einem Festsaal kann man mit Andacht die Hl. Messe feiern
Heilige Messe mit Pfarrer Wenzel Baudisch.

Die Kollekte dieser Messe, in der Höhe von etwa 205 Euro, wird dem heimatlichen Bischof von Königgrätz, Dominik Duka, zur Förderung des Priesternachwuchses übergeben. Anschließend ein weiterer Höhepunkt: Die Mundartstunde mit Franz und Gerti Ronefeld, an der Rudi Staffa leider aus gesundheitlichen Gründen nicht teilnehmen konnte.

Gekonnt wurden Gedichte und Geschichten – fast ausschließlich aus eigener Feder stammend – vorgetragen. Dies waren vorwiegend wahre Geschichten heiterer Natur, die Zuhörer schmunzelnd an eigenes Erleben erinnernd, so z.B. von der Soldatenliebe im "Biertischen", vom ersten Motororradl in Trautenau, vom Franz und seiner Pelzmütze oder die Gespräche der Viehhändler im Himmel.

Doch auch Nachdenkliches war dabei, so der letzte Besuch auf der Koppe. Entsprechend war der Beifall und hätte nicht das Mittagessen gewartet, man hätte noch lange sitzen können, zumal auch Zuhörer ihre Beiträge liefern wollten.



Das Ehepaar Gerti und Franz Ronefeld
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