Quelle: "Riesengebirgsheimat" – Heimatblatt für die ehemaligen Kreise Trautenau und Hohenelbe

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Riesengebirgler Heimatkreis Trautenau e.V.

5. Nordtreffen der Riesengebirgler

von Peter Barth

Schon zur Tradition geworden im neuen Jahrtausend sind die Nordtreffen der Riesengebirgler in der Hansestadt Rostock. So trafen sich im Oktober die Riesengebirgler bereits zu ihrem 5. Nordtreffen, das heuer mit dem im vergangenen Jahr ausgefallenen 7. SL-Landestreffen von Mecklenburg-Vorpommern durchgeführt wurde. Der Besuch von mehr als 400 Landsleuten zeigt, wie gut diese Veranstaltung im Nordosten Deutschlands angenommen wird. Prominenteste Gäste waren der Bundesvorsitzende der SL, Bernd Posselt (MdEP), der Bundestagsabgeordnete Eckhardt Rehberg (CDU), dessen Mutter aus dem Kreis Trautenau stammt, sowie die SL-Landesvorsitzenden von Hamburg und Schleswig-Holstein, Dr. Franz Buchmann und Wolfgang Stelzig. Die ältesten Gäste – und nicht "von nebenan" – dürften das Ehepaar Karl und Martha Bönsch geb. Springer aus Güntersdorf mit 93 bzw. 88 Jahren gewesen sein, die heute in Hamburg leben. Auch der Helmut Preußler Verlag war wieder mit einem umfangreichen Literatur- und Kartenangebot vertreten, von dem die Besucher regen Gebrauch machten.

Traditionsgemäß eröffnet wurde das Treffen am Samstagvormittag durch unseren Rübezahl. Nach einem "Willkommen in der Hansestadt Rostock" dankte Vorstandsmitglied Peter Barth insbesondere den Helfern im Hintergrund, ohne die ein derartiges Treffen nicht möglich ist (s. RH 10/07, S. 6). Im Anschluss trafen sich die Heimatortsbetreuer zu einer Gesprächsrunde. Im Saal wurde gleichzeitig ein Konzert des Musizierklubs Trappenkamp (Schleswig-Holstein) unter der Leitung von Marion Baumgartl dargeboten, das von leichter Muse über traditionelles Liedgut bis zur Klassik reichte.

Am Nachmittag die Festveranstaltung, zu der neben den o.g. Ehrengästen auch Vertreter der Vertriebenenorganisationen des Landes bzw. Rostocks begrüßt werden konnten. Nach dem traditionellen Eröff­nungsgedicht von Franz Ronefeld musste Barth, der die Veranstaltung moderierte, erneut enttäuscht feststellen, dass auch in diesem Jahr – nun bereits zum 10. Mal in Folge (die SL-Landestreffen einbezogen) – kein offizieller Vertreter der gastgebenden Hansestadt den Weg zu
den Vertriebenen gefunden hatte.

Nach der offiziellen Eröffnung und Begrüßung durch den 1. Vorsitzenden des Riesengebirgler Heimatkreises Trautenau, Oberst a.D. Werner Haase, und SL-Landesvorsitzenden Walter Zluwa, ergriff zunächst Eckhardt Rehberg das Wort. Er zeigte sich beeindruckt, dass auch 60 Jahre nach der Vertreibung so viele Menschen zusammen kommen, um ihrer Heimat zu gedenken. Mit großer Genugtuung stelle er in letzter Zeit das zunehmende Bekenntnis junger Leute zu unserem Vaterland fest. In der Weitergabe des Volks- und Brauchtums unserer Heimat an die nachfolgende Generation sieht Rehberg eine Garantie für den Fortbestand unserer Volksgruppe. Es folgten die Grußworte der Landesobleute von Hamburg und Schleswig-Holstein sowie die Verlesung der Grüße von Christian Eichmann, 1. Vorsitzender des Heimatkreises Hohenelbe, und der SL-Kreisgruppe Neumünster. In seiner Festrede sprach Bernd Posselt, der bereits zum dritten Mal in Rostock weilte, zunächst seine Anerkennung der großen Aktivitäten jener Landsleute aus, die erst nach der Wende die Möglichkeit zum Bekenntnis ihrer Heimat, ihrer Vergangenheit hatten. Er wies erneut auf das Unrecht unserer Vertreibung, aber auch jeglicher ethnischer Vertreibungen hin. Bereits mit Ausblick auf das nächste Jahr ging Posselt dann ausführlich auf die Bedeutung der "8er Jahre" für unsere Volksgruppe ein, wobei insbesondere auf die im vergangenen Jahrhundert, die wir teilweise selbst miterlebt haben (1908 – 1918 – 1938 – 1948 – 1968 – 1988), hingewiesen wurde und gab einen Ausblick auf Aufgaben der sudetendeutschen Volksgruppe im 21. Jahrhundert.

Ein weiterer Höhepunkt war die Verleihung der Igo-Etrich-Plakette, der höchsten Auszeichnung des Heimatkreises Trautenau, an den Mundartautor Franz Ronefeld. Ronefeld (Trautenau - Hohenbruck / Stralsund) wurde diese hohe Ehrung auf Grund seiner hervorragenden Arbeiten zum Erhalt der Mundart des Riesengebirges im Nordosten Deutschlands zu teil. Während in der DDR-Zeit diese nur im Familien- und engsten Freundeskreis gepflegt werden konnte, ging Ronefeld nach der Wende an die Öffentlichkeit. Durch Lesungen, seine im Eigenverlag herausgegebenen acht Mundartbüchlein "Do hejm eim Riesageberche" und einer CD hat Ronefeld die Sprache des Riesengebirges in dieser Region am Leben erhalten.

Nachdem zum Abschluss des offiziellen Teils das gemeinsam gesungene Riesengebirgslied erklang, wurde das folgende kulturelle Programm durch den Chor der SL-KG Stralsund, unter der Leitung von Bärbel Friese, mit Liedern und Wortbeiträgen der neuen und alten Heimat bestritten.

Anschließend die sehr gut besuchte Mundartstunde, in der auch die Mundart des Isergebirges, interpretiert durch Karl Zimmermann (Rostock), zu Gehör gebracht wurde. Vorherrschend jedoch die des Riesengebirges, hatte doch der gerade ausgezeichnete Franz Ronefeld nicht nur Verstärkung durch seine Frau Gerti, sondern auch durch Rudi Staffa (Altenbuch / Stuttgart), Träger der Adalbert-Stifter-Medaille, die er beim Heimattreffen in diesem Jahr in Würzburg, ebenfalls für seine Verdienste um unsere Mundart, erhalten hatte. Während Ronefeld im Wesentlichen aus seinen eigenen Werken schöpfte, trug Staffa aus den Werken unserer alten Schriftsteller Gustl Steiner, Olga Brauner und Pater Meinrad vor. Vom Isergebirge kam Heinz Kleinert zu Wort. Auffallend, dass auch hier wieder bei den Besuchern die Frauen vorherrschten.

Gleichzeitig konnte durch Bemühen von Heribert Rong der DVD-Film "Heimat im Riesengebirge" von Helmut Hiemer, aus organisa­torischen Gründen zunächst abgesagt, vorgeführt werden. Auch der Heimatabend war gut besucht, war aber diesmal fast ausschließlich ein – aber sehr gut angenommener – Tanzabend.

Mit einer Enttäuschung begann der Sonntagvormittag. Die im Programm angekündigte Messe im Veranstaltungssaal – ein Novum und Höhepuntk des 4. Nordtreffens – mit Heimatpfarrer Wenzel Baudisch musste leider ausfallen. Zehn Tage vorher hatte Gott unseren Wenzel zu sich heim gerufen. So gestaltete Werner Haase diese Stunde zu einem sehr eindrucksvollen Gedenken an den Verstorbenen. (RH 10/07, S. 3)

Anschließend der Auftritt des Shantychores "De Fischlänner Seelüd". Diese maritime Veranstaltung gehört auch schon zur Tradition, soll sie doch zum Abschluss unseres Treffens, das ganz dem Gedenken unserer Heimat gewidmet ist, zeigen, wo wir heute leben, dass wir wieder in der Gegenwart angekommen und keine "ewig Gestrigen" sind. Neben seinem eigentlichen Programm mit Seemannsliedern brillierte dieser Chor mit einer eindrucksvollen Darbietung unserer "Blauen Berge, grüne Täler...", in die stehend alle einstimmten. Der Nachmittag gehörte dann wieder ganz den persönlichen Begegnungen.

Es war eine gelungene Veranstaltung mit zufriedenen Besuchern, die auch in den Medien ihren Niederschlag fand. So war die offizielle dpa-Meldung vom Samstag in allen drei Tageszeitungen von Mecklenburg-Vorpommern ungekürzt veröffentlicht. Bereits am Samstagabend hatte das Fernsehen in den Landesnachrichten berichtet und beim Lokalsender FDZ wurde ein 40-minütiges Interview aufgenommen. Auch hatten die Besucher Gelegenheit, mit der Schneekoppen-Briefmarke, speziell für dieses Treffen herausgegeben, einen Gruß zu versenden. Bleibt zum Schluss nur noch die Frage: Wann sehen wir uns in Rostock wieder? – voraussichtlich im Jahre 2009.


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