Sonntag, 7. Oktober ein Gottesdienst
stand auf dem Programm. Es sollte wieder ein Höhepunkt werden wie 2005,
als wir erstmals bei unseren Nordtreffen einen Gottesdienst feiern konnten,
mit unserem Heimatpfarrer, der die weite Anreise aus Iphofen (in der Nähe von
Würzburg) auf sich genommen hatte. Aber es sollte nicht sein. Zehn Tage vorher,
am 27. September, hat Gott ihn zu sich gerufen. Da auch in diesem Jahr, wie
in all den Jahren vorher, aus Zeitgründen kein Pfarrer der Region mit uns die
Heilige Messe feiern konnte, haben wir auf unsere Weise ein Zusammensein mit
unserem Heimatpfarrer gestaltet. So war "unser Wenzel" zwar nicht
körperlich bei uns aber in unseren Gedanken, uns "von oben"
zuschauend. Werner Haase, 1. Vorsitzender unseres Heimatkreises, gestaltete
eine würdevolle Gedenkstunde, bei der die Ausgestaltung der während der Messe
des Vorjahres, Kerzen und Blumenschmuck, glich; zusätzlich ein Trauerbild des
Verstorbenen.
Nachstehend veröffentlichen wir auszugsweise diese Rede.
"Meine lieben Riesengebirgler, verehrte Landsleute, sehr verehrte Gäste,
ein Telefongespräch, das ich am Abend vor seinem Tode mit ihm führte, beinhaltete
das Treffen in Rostock, die Gestaltung des Gottesdienstes. Er fühlte sich gesund
und freue sich sehr auf Rostock. Seine Frage: "Host´n a a Bette für
mich?", konnte ich bejaen. Unser Gespräch endete mit einem "Auf Wiedersehen
in Rostock, servus, mach´s gut!" Dieses Wiedersehen findet nicht
mehr statt. Lassen Sie mich auf ihn etwas näher eingehen. Wer war unser Wenzel?
Wo kommt er her, wo sind seine Wurzeln? Wer oder was waren der Grund für seine
positive Ausstrahlung, für seine Warmherzigkeit? Geboren wurde er im Juni 1941
in Berggraben, einem Dörflein in der Nähe von Schatzlar.
In der elterlichen Landwirtschaft verbrachte er, zusammen mit vier Geschwistern,
seine frühe Kindheit. Der Zusammenbruch 1945 setzte dieser bäuerlichen Idylle
ein jähes Ende. Es folgten fünf Jahre Zwangsaufenthalt in der Nähe von Königgrätz.
Nach der Ausweisung 1950 begann die Gymnasialzeit in Königstein / Taunus. 1961
Abitur und anschließend das Studium der Theologie an der Philosophisch-Theologischen-Hochschule,
ebenfalls in Königstein.
Die Priesterweihe, zweifellos ein Höhepunkt in seinem Leben, erfolgte am 29.
Juni 1967 im Dom zu Bamberg.
Seine weiteren Stationen: Kaplan in Bamberg und Nürnberg, Pfarrer in Schwarzenbach
/ Saale, seit 1981 Pfarrer in seinem so sehr geliebten Iphofen, 1981 die Berufung
zum Heimatpriester der Diözese Königgrätz und dem Heimatkreis Trautenau.
In diesem Jahr, am 1. Juli, konnte er noch sein 40jähriges Priesterjubiläum
gebührend begehen (s. RH, Nr. 9/07, S. 5).
Zu seiner menschlichen Seite: Wo immer er auftrat, zog er die Menschen in seinen
Bann. Er konnte begeistern. Er konnte Trost spenden, hilfreiche Worte mit auf
den Weg geben. In seinen Gottesdiensten, in seinen Predigten spürte man seine
besondere Nähe zu Gott. Seinem Primizspruch:
ist er stets treu geblieben.
Unvergeßlich bleiben seine Worte in den Gottesdiensten an unseren Heimattreffen.
Er beklagte das Leid und das Unrecht, das man uns angetan hat. Die Verursacher
klagte er an. Ein hohes Anliegen war ihm jedoch das gegenseitige Verzeihen.
Wie anders könnte man die Gottesdienste deuten, die er in seiner Heimatkirche
Bernsdorf Berggraben mit einem tschechischen Kollegen zelebrierte. Und
bei Deutschen wie Tschechen zur Gemeinsamkeit anmahnte. Ungewollt wurde er zum
Mittelpunkt der Heimattreffen "Blaue Berge, grüne Täler ...," von
Wenzel angestimmt waren Höhepunkt und Abschluß jedes unserer Heimattreffen.
"Wenzel, Du fehlst uns, wir vermissen Dich sehr! Aber ich bin sicher, dass
Du immer in unserer Mitte bist und sein wirst, so lange es uns Riesengebirgler
geben wird. Wir danken Dir für alles". Anschließend wurde das Vaterunser
gebetet, für "unseren Wenzel und für alle in diesem Jahr von uns gegangenen
Landsleute". Es folgte die Lesung, die Werner Haase auch im vorgesehen
Gottesdienst gelesen hätte. Zum Abschluß des Gedenkens wurde gemeinsam unser
Riesengebirgslied gesungen es fehlte die kräftige Stimme unseres Wenzel
Baudisch.
Über den gesamten Verlauf des 5. Nordtreffens, das mit mehr als 400 Besuchern,
wieder ein sehr großer Erfolg war, wird in der nächsten Ausgabe berichtet.