Quelle: "Riesengebirgsheimat" – Heimatblatt für die ehemaligen Kreise Trautenau und Hohenelbe

Riesengebirgler Heimatkreis Trautenau e.V.

6. Nordtreffen der Riesengebirgler

von Peter Barth

Auch in diesem Jahr hatte sich die Sudetendeutsche Landsmannschaft von Mecklenburg-Vorpommern mit ihrem Landestreffen, es war das 8., unserem Nordtreffen angeschlossen. Der Besuch von mehr als 300 Heimatfreunden zeigte erneut, dass dieses Treffen sehr gut angenommen wird, nicht nur von den Norddeutschen, sondern es konnten u.a. auch Gäste aus Baden-Württemberg, Bayern und Hessen begrüßt werden.



Rübezahl mit Kameramann und Toningenieur vom Deutschen Fernsehfunk / NDR.

Zur Eröffnung überbrachte traditionsgemäß unser Rübezahl, unter dem sich Heinz Berger verbarg, heimatliche Grüße. Mit seinem Gedicht "Sei gegrüßt mein Riesengebirge – mein Heimatland" sorgte Franz Just für weitere heimatliche Atmosphäre.

Mit einem "Herzlichen Willkommen in der Hansestadt Rostock" erfolgte dann die offizielle Eröffnung durch Peter Barth. Gleich zu Beginn dankte Barth insbesondere den Helfern im Hintergrund, die nicht auf der Bühne zu sehen sind, ohne die ein derartiges Treffen jedoch nicht möglich ist. Anwesend bei der Eröffnungsveranstaltung waren auch die Presseagentur dpa sowie der Deutsche Fernsehfunk Norddeutscher Rundfunk, der in seiner Abendsendung berichtete. Leider konnten sie sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht von der optimalen Besucherzahl überzeugen. Der Termin war jedoch den vielfältigen Veranstaltungen zum Tag der Deutschen Einheit geschuldet.

Im Anschluss fand eine Gesprächsrunde der HOB statt, unter ihnen mehrere aus Süddeutschland. Thema war wiederum die Tatsache, dass einige Heimatfreunde auf Grund ihrer Gesundheit nicht mehr in der Lage sind, dieses Ehrenamt auszuführen und es nicht immer gelingt, aus den Reihen der Ortsbewohner einen Nachfolger zu finden. Weiterhin die Gestaltung unserer "Riesengebirgsheimat", die allgemein als sehr gut eingeschätzt wird.

Zum gemeinsamen Singen wurden zeitgleich die Heimatfreunde, die noch nicht den richtigen Gesprächspartner gefunden hatten, von Bärbel Friese eingeladen.



Beginn der Festveranstaltung mit dem Trompetensolo des Riesengebirgsliedes.

Die Festveranstaltung am Nachmittag begann miteinen Trompetensolo des Riesengebirgsliedes, vorgetragen von M. Hensch. Es folgte das traditionelle Eröffnungsgedicht von Heimatdichter Franz Ronefeld, in dem es u.a. heißt:

"Ja, Euer Kommen beweist es doch,
das Land unsrer Väter, wir lieben es immer noch
und seit 20 Jahren können wir 's auch im Osten wagen,
dieses Bekenntnis ganz laut zu sagen.
So ist Rostock als gute Adresse bekannt,
für Landsleute aus dem ganzen Sudetenland"



Walter Zluwa,
SL-Landesvorsitzender MV.
Dr. Franz Buchmann,
SL-Landesvorsitzender HH.
Werner Kuhn, MdEP.

Bei der Begrüßung der Ehrengäste konnte Peter Barth den Abgeordneten des Europäischen Parlamentes, Werner Kuhn (CDU) – dessen ebenfalls anwesender Vater aus Burkersdorf stammt – sowie den SL-Landesvorsitzenden von Hamburg, Dr. Franz Buchmann, einen der Geburtshelfer des SL-Landesverbandes im Nordosten, willkommen heißen. SL-Landesobmann Walter Zluwa ging in seiner Begrüßungsansprache auf die noch junge Geschichte des Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern ein, die 1993 begann und dankte dem Landesverband Hamburg, insbesondere Obmann Dr. Franz Buchmann, für die in den ersten Jahren geleistete Unterstützung. Höhepunkte im Veranstaltungsjahr sind die Landestreffen, die in den letzten Jahren in Verbindung mit den Riesengebirgstreffen stattgefunden haben. Damit ist MV der einzige Landesverband, der diese Treffen noch regelmäßig durchführt. Das schriftliche Grußwort vom Oberbürgermeister der Gastgeberstadt, Roland Methling, das in den Vorjahren mehr einem touristischen Willkommen glich, stand diesmal unter dem Motto "Verlorene Heimat" und bekundete – unter Bezugnahme auf den Rostocker Schriftsteller Walter Kempowski – Anerkennung und Verständnis unserer Anliegen (s. RGH Nr. 8/2009). In seinem Grußwort wies Werner Kuhn zunächst daraufhin, dass in seinem Elternhaus stets die heimatlichen Sitten und Gebräuche gepflegt und die Kinder zur Heimatliebe erzogen wurden. So wurde einmal nach dem Singen unseres Heimatliedes – in der eigenen Wohnung – dieses durch die Stasi als "revanchistisches Liedgut" eingeschätzt. Kuhn verurteilte grundsätzlich ethnische Vertreibungen, sowohl die unserer Volksgruppe nach dem Zweiten Weltkrieg, als auch die gegenwärtigen, als völkerrechtswidrig.

Werner Haase,
1. Vorsitzender HKT.
Franz Ronefeld,
Eröffnungsgedicht.
Peter Barth, Beirat,
Moderation.
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Festredner Werner Haase, 1. Vorsitzender des Riesengebirgler Heimatkreises Trautenau, erinnerte zu Beginn seiner Rede daran, dass sein Vertreibungsschicksal 1946 ihn zunächst nach Mecklenburg in das Lager Ventschow führte. In einem kurzen Abriss unserer jüngeren Geschichte beklagte Haase, dass wir es versäumt haben, unser Schicksal als festen Bestandteil in das Bewusstsein der Deutschen und Europäer zu verankern. Wir sind nicht, wie oft fälschlich dargestellt, erst 1938 mit Hitler in unsere angestammte Heimat gekommen und das Sudetendeutsche Problem hat nicht erst mit dem Münchener Abkommen begonnen, sondern mit der einseitigen Proklamation der Tschechoslowakischen Republik im Oktober 1918 und mit der Verweigerung des Selbstbestimmungsrechtes. Und Haase wörtlich: "Ich erinnere:

Unser Leidensweg fand seinen grausamen Höhepunkt in der völkerrechtswidrigen Enteignung, Verfolgung und Vertreibung, die kein Gesetz oder Dekret der Tschechen rechtfertigen kann."

An konkreten Beispielen weist Hasse nach, dass Benesch die Vertreibung von langer Hand vorbereitet hat:

Entgegen den uns vorgeworfenen Behauptungen von Revanchismus nennt Haase erneut die Charta der Deutschen Heimatvertriebenen von 1950, in der bereits damals auf Rache und Vergeltung verzichtet und die Verpflichtung abgegeben wurde, am friedlichen Aufbau Deutschlands und des gesamten Europas mitzuarbeiten. An dieser Grundhaltung hat sich bis heute nichts geändert. Wir haben stets die Hand zur Versöhnung ausgestreckt. Angenommen wurde sie vielfach an der Basis, nicht aber in der Politik, auf der Ebene der Regierungen, weder auf deutscher Seite, – so kenne zwar Bundeskanzlerin Angela Merkel beim diesjährigen Tag der Heimat das Unrecht der Vertreibung an, man müsse aber gegenüber den Nachbarstaaten "sehr sensibel sein", – und schon gar nicht vom offiziellen Prag. Selbst Papst Benedikt hat sich beim Besuch Tschechiens nicht der deutschen Sprache bedient, obwohl doch unter den katholischen Gläubigen die Anzahl der Deutschen relativ hoch sein dürfte.

Haase schätzt klar ein: "Die Erlebnisgeneration geht von Bord und damit das erlebte Wissen über unsere Heimat, unsere Kultur und Muttersprache. Unser Schicksal verblasst allmählich und wird von der Öffentlichkeit kaum noch wahrgenommen. Die uns folgende Generation geht weniger kritisch mit der Vertreibung um. Unsere Hoffnung ist und bleibt ein vereintes Europa, eine Besinnung auf die gemeinsame abendländische Kultur. Aus deren Wurzeln sollten wir die Kraft für die gemeinsame Gestaltung Europas schöpfen. Vom offiziellen Prag ist ein Eingeständnis der an uns begangenen Verbrechen nicht zu erwarten. Wir aber sollten weiterhin den Dialog zur Versöhnung unter Einbeziehung der wahren Gründe der Vertreibung fördern und unsere Kenntnisse, unsere Erlebnisse an die nachfolgende Generation weitergeben, auch an die in Tschechien."

Shantychor "De Fischlänner Seelüd".
Foto Zorn Gnoien
Blick in den Festsaal.




Chor der SL-Kreisgruppe Strahlsund.

Nach dem gemeinsamen Singen des Riesengebirgsliedes folgte ein kulturelles Programm, gestaltet durch den Chor der SL-Kreisgruppe Stralsund unter der Leitung von Bärbel Friese. Mit Liedern und Gedichtbeiträgen bewiesen die Stralsunder, dass auch im Nordosten Deutschlands unser kulturelles Erbe gepflegt wird.

Anschließend die wieder sehr gut besuchte Mundartstunde. Hier wurden neben unserer Heimatsprache, dargeboten durch Franz und Gerti Ronefeld, auch die Mundart des Isergebirges (Karl Zimmermann) sowie des Reichenberger Umfeldes (Walter Zluwa / beide Rostock) zu Gehör gebracht, (weiteres auf unseren nächsten Mundartseiten) Der Heimatabend fand diesmal in der Gaststätte statt, was eine sehr gemütliche Atmosphäre schuf. Der Alleinunterhalter- die ursprünglich erhofften Beiträge unserer Landsleute blieben leider aus – sorgte mit seinen auf die Anwesenden abgestimmten Musikstücke und seinen spaßigen Wortbeiträgen (so "Ich bin Arbeitgeber von sieben Fachärzten und einem Apotheker") für eine ausgezeichnete Stimmung. Und es wurde getanzt und getanzt...

Totengedenken mit Diakon Beirat Stefan Wick.
Aus der HOB-Gesprächsrunde: Edith Haselbach (Trautenbach / Niedersachsen), Ernistina Kaufmann (stellv. Pilnikau / Berlin), Karl-Heinz Zieris (Glasendorf / MV), Günter Henke (Beirat, Lampersdorf / Baden-Württemberg) und Hans Wimmer (Kleinaupa / Thüringen).

Mit einer gewissen Enttäuschungshaltung begann der Sonntagvormittag. Die im Programm angekündigte heilige Messe im Veranstaltungssaal – leider bisher ein einmaliges Erleben und Höhepunkt des 4. Nordtreffens mit Heimatpfarrer Wenzel Baudisch – musste leider aus organisatorischen Gründen ausfallen. Doch wurden die Anwesenden nicht enttäuscht. Es war ein besonders feierliches Totengedenken, in dem insbesondere des am 29.08.2009 verstorbenen Pater Norbert Schlegel OPraem. Visitator der Sudetendeutschen, sowie unserer Heimatpfarrer Wenzel Baudisch und Erich Reis gedacht wurde. Mit Diakon Stefan Wick, Mitarbeiter des Bischofs von Fulda und Beirat des Heimatkreises, wurde diese Gedenkstunde mit Liedern aus der Schubertmesse, der Lesung, Gebeten, Fürbitten und erteiltem Schlusssegen zu einem weiteren Höhepunkt des Treffens. Einige Besucher hatten die Vorabendmesse in der Thomas-Morus-Gemeinde besucht und dort aus den Händen "unseres Diakons" die heilige Kommunion empfangen.

Am späten Vormittag wurde der DVD-Film "Das Riesengebirge und seine Landschaft", von Familie Hiemer / Nürnberg mit großem Hintergrundwissen und heimatlichen Gefühlen geschaffen, gezeigt. Wunderbare Aufnahmen, hervorragende Erläuterungen und emotional dazu passende Musik weckten Erinnerungen, ein "Heimwehgefühl" und mach feuchtes Auge war zu sehen.

Totengedenken mit Diakon Beirat Stefan Wick.Am frühen Nachmittag dann die schon zur Tradition gewordene maritime Veranstaltung mit dem Shantychor "De Fischlänner Seelüd" aus Ribnitz-Damgarten unter der Leitung von Manfred Hubatschek. Nachdem eineinhalb Tage ganz dem Gedenken unserer Heimat gewidmet waren, wollen wir zeigen, dass wir wieder in der Gegenwart angekommen sind, hier im Nordosten Deutschlands, wo wir heute leben. Neben seinem eigentlichen Programm mit bekannten Seemannsliedern brillierte der Chor auch in diesem Jahr wieder mit einer eindrucksvollen Darbietung unserer "Blauen Berge, grüne Täler...", und zum Abschluss das Heimatlied von der Ostseeküste "Wo de Ostseewellen..." So war nun auch dieser Kreis von den "blauen Bergen zum gelben Ginster im Dünensand" symbolisch geschlossen.

Der "restliche" Nachmittag gehörte dann wieder ganz den persönlichen Begegnungen.



Ausstellung alter Werkzeuge und Gebrauchsgegenstände, mitgebracht von Hans Wimmer, HOB Kleinaupa.



Erwähnt werden soll noch eine kleine Ausstellung heimatlicher Werkzeuge und Küchengeräte, die Heimatfreund Hans Wimmer, HOB Kleinaupa. mitgebracht hatte, die auf reges Interesse stieß und bei vielen Erinnerungen wach rief.

Danke für Ihren Besuch!


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