Quelle: "Riesengebirgsheimat" – Heimatblatt für die ehemaligen Kreise Trautenau und Hohenelbe

Riesengebirgler Heimatkreis Trautenau e.V.

7. Nordtreffen der Riesengebirgler

9. Landestreffen der Sudetendeutsche Landsmannschaft Mecklenburg-Vorpommern

von Peter Barth

Auch in diesem Jahr hatte sich die Sudetendeutsche Landsmannschaft von Mecklenburg-Vorpommern mit ihrem Landestreffen – wenn auch recht spät – unserem Nordtreffen angeschlossen. Fast 300 Heimatfreunde hatten den Weg nach Rostock gefunden, unter ihnen auch Gäste aus Baden-Württemberg und Bayern. Neben dem 1. Vorsitzenden des Heimatkreises Trautenau, Werner Haase, konnten heuer auch die 2. Vorsitzende, Margarethe Dorsch, sowie die Kassiererin, Christine Geißendörfer, und Beirat Günter Henke mit Ehefrau Birgit – wie bereits beim letzten Treffen – begrüßt werden. Leider hat es mit dem geplanten Bus aus Würzburg nicht geklappt.



Eröffnung mit dem Rübezahl.

Traditionsgemäß eröffnete unser Rübezahl, unter dem sich Heinz Berger (Niederschlesien) verbarg, das Treffen. Zur weiteren heimatlichen Atmosphäre trug Franz Just mit einem Gedicht bei.

Mit einem "Herzlichen Willkommen in der Hansestadt Rostock" erfolgte dann die offizielle Eröffnung durch Peter Barth, dem Verantwortlichen des Nordtreffens.



Peter Barth, Initiator der Nordtreffen moderierte die Festveranstaltung.

Er stellte fest: "Der zahlreiche Besuch bestätigt uns, daß es richtig war, das Treffen, abweichend von dem zwei-Jahres-Rhythmus, nicht erst 2011, sondern bereits heuer durchzuführen." Barth dankte insbesondere den Helfern im Hintergrund, die die Ausgestaltung des Saales übernommen haben (SL-Kreisgruppe Rostock unter Leitung von Josef Scholz / Wihnan), die den Einlaß-Dienst versehen (hier war es Samstags ausschließlich Anneliese Grunewald / Kaile, Stralsund), ohne die ein derartiges Treffen gar nicht möglich ist.

Im Anschluß fand eine Gesprächsrunde der HOB statt, unter ihnen auch Heimatfreunde mit weiten Anrseisen aus Südwestdeutschland, so Beirat Günter Henke (Lampersdorf) und Herbert Rzehak (Wölsdorf). Hauptthema war die Notwendigkeit, die Erinnerung an unsere Heimat, an unsere Erlebnisse für die Jugend, für die Zukunft zu erhalten.



HOB-Gesprächsrunde

Zeitgleich hatten Bärbel Friese, die Leiterin des Chores der SL-Kreisgruppe Stalsund, mit einigen Mitgliedern zum gemeinsamen Singen eingeladen. Dankend wurde dies von vielen Heimatfreunden angenommen. Jahrelang hat dieser Chor die Festveranstaltung unserer Treffen maßgeblich mitgestaltet, doch fordert auch hier das Alter seinen Tribut. An dieser Stelle noch einmal ein herzliches Dankeschön für die gute Zusammenarbeit.

Die Festveranstaltung am Nachmittag wurde eingeleitet mit dem Egerländer Marsch, dargeboten von der Grimmener Blasmusik (Leitung Uwe Dillner), die erstmals bei uns zu Gast war. Es folgte das traditionelle Eröffnunsgedicht von Heimatdichter Franz Ronefeld, in dem es u.a. heißt:

Grüß Gott und Guten Tag, liebe Landsleute

Es nagt der Zahn der Zeit an mir,
aber Ihr seht, ich bin trotzdem wieder hier.
Und viele von Euch, das kann man wohl sagen,
haben auch schon Grund zum Klagen.
Das ist fast normal im Laufe der Zeit,
also schönen Dank Euch allen, dass Ihr gekommen seid.
Und ich wünsche uns, dass dieses Nordtreffen wieder,
unsgute Unterhaltung bringt und frohe Lieder,
damit man zum Schuss dann die Meinung hört:
Rostock war wieder eine Reise wert.

Und weil wir in den vergangenen 20 Jahren,
als Landmannschaften doch schön erfolgreich waren,
da hoffen wir, dass es noch lange so weiter gelingt,
dass unser Altwerden nicht auch Vergessenheit bringt.

Und um Heimatgedanken lebendig zu halten,
dazu müssen Kinder und Enkel von uns Alten,
viel erfahren, auch durch sehen und lesen,
wo ihre Ahnen früher zu Hause gewesen.
Wenn´s die Jugend weitergibt, in die Zukunft hinein,
dann wird das Sudetenland nie vergessen sein.

Das wollte ich sagen - - on jetzt zum Schluss
menn liewa Riesageberchlan noch enn schinn Gruß.
Bleit treu onsa Bercha, bis nondo ei´s Toul
on tramt a noch monchmol vom Riewezoul.

Und damit, meine Lieben, alles Glück dieser Welt,
wünscht euch der alte Poet - Franz Ronfeld.



Franz Ronefeld bei seinem trationellen Eröffnungsgedicht.





Die Grimmer Blasmusik, hier dirigiert von Heimatfreund Josef Heina.

Als Ehrengast konnte Peter Barth, der die Veranstaltung moderierte, den Abgeordneten des Europäischen Parlamentes, Werner Kuhn (CDU) – dessen ebenfalls anwesender Vater aus Burkersdorf stammt – willkommen heißen.



Werner Kuhn (CDU), Abgeordneter des Europäischen Parlamentes, bei seinem Grußwort.

SL-Landesobmann Walter Zluwa wies in seiner Begrüßungsansprache zunächst darauf hin, daß wir uns seit 20 Jahren mit unserem Bekenntnis zur Heimat nicht mehr vor der Stasi verstecken müssen, dass die Unterdrückung durch die SED-Machthaber der Vergangenheit angehört – Voraussetzung für unsere Treffen.

Er beklagte die Unwissenheit der Historiker bezüglich unserer Geschichte und kritisierte persönlich Guido Knopp. Bei der Bearbeitung des tschechischen Dokumentarfilmes "Töten auf Tschechisch" für die Ausstrahlung durch das Deutsche Fernsehen seien wichtige Tatsachen verfälscht worden.

In seinem Grußwort wies Werner Kuhn zunächst auf seine Familienbande hin, die ihn eng mit uns verbinden. 20 Jahre Einheit ermöglicht auch den Sudetendeutschen in Mecklenburg-Vorpommern, den Heimatgedanken hochzuhalten. Er würdigte das Mitwirken der Heimatvertriebenen beim Aufbau Deutschlands nach dem Krieg, eine Lebensleistung, auf die jeder stolz sein kann. Kuhn informierte die Anwesenden auch über die kurz vorher ausgestrahlte Sendung des Norddeutschen Rundfunks über das heutige Treffen, in der ausführlich auf unser Anliegen verwiesen und von Kuhn als sehr informativ eingeschätzt wurde. (Die Anwesenden hatten leider nicht die Möglichkeit, diese Sendung zu verfolgen.)

Festredner Werner Haase, 1. Vorsitzender des Riesengebirgler Heimatkreises Trautenau e.V., erinnerte zu Beginn seiner Rede daran, dass sein Vertreibungsschicksal 1946 ihn zunächst nach Mecklenburg führte, dem er sich heute noch verbunden fühle.Sein Rückblick auf Treffen verschiedener Ebenen (Bund, Land, Heimatkreis) ließ auch Haase zu dem Schluß kommen: "Die Reihen der Erlebnisgeneration lichten sich immer mehr und die von den Tschechen
erwartete biologische Lösung rückt in greifbare Nähe." Es sei jedoch erstaunlich, dass man sich im Vertreibungsland Tschechien an unser Schicksal in der Öffentlichkeit erinnere. Er verwies auf den Fernsehfilm "Töten auf Tschechisch", auf das Bekanntwerden von Massengräbern und verschiedene Umbettungen. Besonders erfreulich sei das zunehmende Interesse junger Tschechen an der Kultur und dem Schicksal unserer Volksgruppe, das z. T. größer sei als bei den deutschen Jugendlichen. Leider halte jedoch das offizielle Prag an seiner starren Haltung fest.



Aufmerksame Zuhörer.

Große Erwartungen werden auf den Besuch des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer in Prag gesetzt, den er nicht ohne Sudetendeutsche antreten wolle – von Prag bisher strikt abgelehnt. "Lassen Sie uns hoffen, dass in nachfolgenden Generationen das zarte Blümlein, das gerade zu Blühen angefangen hat, zur vollen Blütenpracht im Herzen unserer beiden Völker, in einem Europa gegenseitiger Wertschätzung und Anerkennung, in Freiheit und
Frieden gedeihen möge."



Interessiert wird der Riesengebirgsfilm verfolgt.

Abgeschlossen wurde dieser Teil der Festveranstaltung mit dem gemeinsamen Singen unseres Heimatliedes, begleitet von der "Grimmener Blasmusik", dirigiert vom "Altdirigenten" Heimatfreund Josef Heina, HOB von Kladern, Koken und Wihnan, der diese als Jugendblasorchester aufgebaut hatte und dem seitens des Heimatkreises auch die gesamte Organisation mit dem Blasorchester oblag.

Nach der Kaffeepause boten die Bläser aus Grimmen ein äußerst vielseitiges, mit großer Begeisterung aufgenommenes Programm, zu dem u.a. der Radetzkymarsch, die Egerländer Polka, bekannte heimatliche Lieder sowie ein Volkslieder-Potpourri gehörten. Als Dirigent wechselten sich Uwe Dillner, Leiter des Orchesters, und Heimatfreund Josef Heina ab. Außerdem hatte Uwe Dillner ein Riesengebirgs-Quiz mitgebracht, bei dem es CDs mit dem Blasorchester zu gewinnen gab. Mit nicht enden wollendem Beifall dankten die Zuhörer, die Musiker erwiderten mit mehreren Zugaben.

Die traditionelle Mundartstunde war auch in diesem Jahr ein großer Genuß und für alle Anwesenden ein echtes Bedürfnis, wie der überfüllte Raum und der oft prasselnde Beifall für die gehaltvollen Darbietungen bezeugten.

"Eingerahmt" von Walter Zluwa (Reichenberg) und Karl Zimmermann (Isergebirge) boten Gerti und Franz Ronefeld mit ihren Gedichten hohe inhaltliche Kompetenz und darstellerisches Können, so, wie wir es seit Jahren von ihnen gewohnt sind. Ihre Geschichten aus unserer Heimat, über die ehemaligen deutschen Bewohner, über nette Begebenheiten aus unseren Dörfern und Städten, zeigten die nachhaltige innere Bindung zum Riesengebirge, zu den Menschen, die früher dort gelebt und gewirkt haben. Gerti und Franz fungierten erneut als eingespieltes Team, das auch außerhalb ihrer Texte mehrfach für einen neckischen Schlagabtausch sorgte. Die Zuhörer dankten es mit Schmunzeln und spontaner Akklamation.

Walter Zluwa, sonst mehr für die große Politik zuständig, und Karl Zimmermann als guter Kenner des Isergebirgsdichters Gustav Leutelt, taten das Ihrige, um mit Reichenberger Eleganz und volkstümlichem Humor die Veranstaltung zu einer würdigen Angelegenheit werden zu lassen.

Einiges aus dem Angebot von Gerti und Franz kann man sicher in den bekannten "Bichlan" nachlesen, die längst zu einem festen Bestandteil der modernen Riesengebirgsdichtung geworden sind.

Diese Dichtung hat dauernden Bestand, denn für sie und ebenso für die Menschen gibt es keine biologische Lösung. Geist und Dichtung leben weiter.

Der Heimatabend fand auch diesmal in der Gaststätte statt, was eine wesentlich gemütlichere Atmosphäre als im großen Saal schuf. Der Alleinunterhalter aus Güstrow sorgte mit seiner auf die Anwesenden abgestimmten Musik – es wurden uns allen Bekanntes geboten – für eine gute Stimmung und es wurde fleißig getanzt.

Auch in diesem Jahr fiel die im Programm angekündigte heilige Messe im Veranstaltungssaal leider aus organisatorischen Gründen aus. Und so blieb es bisher bei dem einmaligen Erleben eines eigenen Gottesdienstes mit Heimatpfarrer Wenzel Baudisch (†) als Höhepunkt des 4. Nordtreffens im Jahre 2005.



Werner Haase, 1. Vorsitzender des Riesengebirgler Heimatkreis Trautenau e. V., bei der Totenehrung.

So begann der Sonntagvormittag mit dem Gedenken an unsere Toten durch den 1. Vorsitzenden Werner Haase. Feierlich eingeleitet wurde diese Gedenkstunde mit dem Glockenklang der Erzdekanalkirche von Trautenau in einer Original-Tonbandaufnahme. Es wurde zunächst der Heimatfreunde gedacht, die uns seit dem letzten Treffen verlassen haben. Die Gedanken gingen weiter in die Heimat, an die dort Ruhenden, an die Opfer von Krieg und Vertreibung, von Terror und Naturkatastrophen. Mit dem gemeinsamen Beten des "Vater unser" fand das Gedenken seinen Abschluß.

Am späten Vormittag wurde der DVD-Film "Trautenau und das Riesengebirge" vorgeführt. Auch dieser zweite Film von Familie Hiemer / Radowenz zeigte wunderbare Aufnahmen unserer Heimat, untermalt von passender Musik.

Die umfangreichen Erläuterungen Helmut Hiemers bewiesen erneut sein großes Hintergrundwissen. Viele Erinnerungen wurden wachgerufen und alle Zuschauer waren wieder einmal 60 Minuten in die Heimat entführt.


Shantychor "De Fischlänner Seelüd".

Auswertung mit Mitgliedern des Shantychores.

Am frühen Nachmittag dann die schon zur Tradition gewordene maritime Veranstaltung mit dem Shantychor "De Fischlänner Seelüd" aus Ribnitz-Damgarten unter der Leitung von Peter Nitz. Nach eineinhalb Tagen "zuhause", dem Gedenken an die Heimat, die Vergangenheit, waren wir nun wieder in der Gegenwart angekommen, hier im Nordosten Deutschlands, wo wir heute leben. Neben seinem eigentlichen Programm mit bekannten Seemannsliedern war
auch in diesem Jahr wieder die eindrucksvolle Darbietung unserer "Blauen Berge, grüne Täler...", gemeinsam gesungen, Höhepunkt. Passend zu dem Grundgedanken dieser Veranstaltung wurde dann zum Abschluß das Heimatlied von der Ostseeküste "Wo de Ostseewellen..." ebenfalls gemeinsam gesungen. So waren wir nun wieder von den "blauen Bergen und grünen Tälern zum gelben Ginster im Dünensand" zurückgekehrt.

Der „restliche Nachmittag gehörte wieder ganz den persönlichen Begegnungen.

Auch heuer hatte Heimatfreund Hans Wimmer, HOB Kleinaupa, eine kleine Ausstellung aus Thüringen mitgebracht. Es waren Vergrößerungen aus seiner umfangreichen historischen Ansichtskartensammlung von unserer Heimat, die viele Betrachter fanden.



Diese Heimatfreunde schaffen wichtige Voraussetzungen für unsere Treffen.

Anmerkung: Fots wurden freundlicherweise von Hern Joachim Kruske, Frau Anneliese Berger, Foto-Zorn, Gnoin zur Verfügung gestellt.

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