Auch in diesem Jahr hatte sich die Sudetendeutsche Landsmannschaft von Mecklenburg-Vorpommern mit ihrem Landestreffen – wenn auch recht spät – unserem Nordtreffen angeschlossen. Fast 300 Heimatfreunde hatten den Weg nach Rostock gefunden, unter ihnen auch Gäste aus Baden-Württemberg und Bayern. Neben dem 1. Vorsitzenden des Heimatkreises Trautenau, Werner Haase, konnten heuer auch die 2. Vorsitzende, Margarethe Dorsch, sowie die Kassiererin, Christine Geißendörfer, und Beirat Günter Henke mit Ehefrau Birgit – wie bereits beim letzten Treffen – begrüßt werden. Leider hat es mit dem geplanten Bus aus Würzburg nicht geklappt.

Traditionsgemäß eröffnete unser Rübezahl, unter dem sich
Heinz Berger (Niederschlesien) verbarg, das Treffen. Zur weiteren heimatlichen
Atmosphäre trug Franz Just mit einem Gedicht bei.
Mit einem "Herzlichen Willkommen in der Hansestadt Rostock" erfolgte
dann die offizielle Eröffnung durch Peter Barth, dem Verantwortlichen des
Nordtreffens.

Er stellte fest: "Der zahlreiche Besuch bestätigt uns, daß es
richtig war, das Treffen, abweichend von dem zwei-Jahres-Rhythmus, nicht erst
2011, sondern bereits heuer durchzuführen." Barth dankte insbesondere
den Helfern im Hintergrund, die die Ausgestaltung des Saales übernommen
haben (SL-Kreisgruppe Rostock unter Leitung von Josef Scholz / Wihnan), die
den Einlaß-Dienst versehen (hier war es Samstags ausschließlich
Anneliese Grunewald / Kaile, Stralsund), ohne die ein derartiges Treffen gar
nicht möglich ist.
Im Anschluß fand eine Gesprächsrunde der HOB statt, unter ihnen auch
Heimatfreunde mit weiten Anrseisen aus Südwestdeutschland, so Beirat Günter
Henke (Lampersdorf) und Herbert Rzehak (Wölsdorf). Hauptthema war die Notwendigkeit,
die Erinnerung an unsere Heimat, an unsere Erlebnisse für die Jugend, für
die Zukunft zu erhalten.

Zeitgleich hatten Bärbel Friese, die Leiterin des Chores der SL-Kreisgruppe
Stalsund, mit einigen Mitgliedern zum gemeinsamen Singen eingeladen. Dankend
wurde dies von vielen Heimatfreunden angenommen. Jahrelang hat dieser Chor die
Festveranstaltung unserer Treffen maßgeblich mitgestaltet, doch fordert
auch hier das Alter seinen Tribut. An dieser Stelle noch einmal ein herzliches
Dankeschön für die gute Zusammenarbeit.
Die Festveranstaltung am Nachmittag wurde eingeleitet mit dem Egerländer
Marsch, dargeboten von der Grimmener Blasmusik (Leitung Uwe Dillner), die erstmals
bei uns zu Gast war. Es folgte das traditionelle Eröffnunsgedicht von Heimatdichter
Franz Ronefeld, in dem es u.a. heißt:
| Grüß Gott und Guten Tag, liebe Landsleute Es nagt der Zahn der Zeit an mir, |
![]() Franz Ronefeld bei seinem trationellen Eröffnungsgedicht. |

Als Ehrengast konnte Peter Barth, der die Veranstaltung moderierte, den Abgeordneten des Europäischen Parlamentes, Werner Kuhn (CDU) – dessen ebenfalls anwesender Vater aus Burkersdorf stammt – willkommen heißen.

SL-Landesobmann Walter Zluwa wies in seiner Begrüßungsansprache zunächst
darauf hin, daß wir uns seit 20 Jahren mit unserem Bekenntnis zur Heimat
nicht mehr vor der Stasi verstecken müssen, dass die Unterdrückung
durch die SED-Machthaber der Vergangenheit angehört – Voraussetzung für
unsere Treffen.
Er beklagte die Unwissenheit der Historiker bezüglich unserer Geschichte
und kritisierte persönlich Guido Knopp. Bei der Bearbeitung des tschechischen
Dokumentarfilmes "Töten auf Tschechisch" für die Ausstrahlung
durch das Deutsche Fernsehen seien wichtige Tatsachen verfälscht worden.
In seinem Grußwort wies Werner Kuhn zunächst auf seine Familienbande
hin, die ihn eng mit uns verbinden. 20 Jahre Einheit ermöglicht auch den
Sudetendeutschen in Mecklenburg-Vorpommern, den Heimatgedanken hochzuhalten.
Er würdigte das Mitwirken der Heimatvertriebenen beim Aufbau Deutschlands
nach dem Krieg, eine Lebensleistung, auf die jeder stolz sein kann. Kuhn informierte
die Anwesenden auch über die kurz vorher ausgestrahlte Sendung des Norddeutschen
Rundfunks über das heutige Treffen, in der ausführlich auf unser Anliegen
verwiesen und von Kuhn als sehr informativ eingeschätzt wurde. (Die Anwesenden
hatten leider nicht die Möglichkeit, diese Sendung zu verfolgen.)
Festredner Werner Haase, 1. Vorsitzender des Riesengebirgler Heimatkreises Trautenau
e.V., erinnerte zu Beginn seiner Rede daran, dass sein Vertreibungsschicksal
1946 ihn zunächst nach Mecklenburg führte, dem er sich heute noch
verbunden fühle.Sein Rückblick auf Treffen verschiedener Ebenen (Bund,
Land, Heimatkreis) ließ auch Haase zu dem Schluß kommen: "Die
Reihen der Erlebnisgeneration lichten sich immer mehr und die von den Tschechen
erwartete biologische Lösung rückt in greifbare Nähe." Es
sei jedoch erstaunlich, dass man sich im Vertreibungsland Tschechien an unser
Schicksal in der Öffentlichkeit erinnere. Er verwies auf den Fernsehfilm
"Töten auf Tschechisch", auf das Bekanntwerden von Massengräbern
und verschiedene Umbettungen. Besonders erfreulich sei das zunehmende Interesse
junger Tschechen an der Kultur und dem Schicksal unserer Volksgruppe, das z.
T. größer sei als bei den deutschen Jugendlichen. Leider halte jedoch
das offizielle Prag an seiner starren Haltung fest.

Große Erwartungen werden auf den Besuch des bayerischen Ministerpräsidenten
Horst Seehofer in Prag gesetzt, den er nicht ohne Sudetendeutsche antreten wolle
– von Prag bisher strikt abgelehnt. "Lassen Sie uns hoffen, dass in nachfolgenden
Generationen das zarte Blümlein, das gerade zu Blühen angefangen hat,
zur vollen Blütenpracht im Herzen unserer beiden Völker, in einem
Europa gegenseitiger Wertschätzung und Anerkennung, in Freiheit und
Frieden gedeihen möge."

Abgeschlossen wurde dieser Teil der Festveranstaltung mit dem gemeinsamen Singen
unseres Heimatliedes, begleitet von der "Grimmener Blasmusik", dirigiert
vom "Altdirigenten" Heimatfreund Josef Heina, HOB von Kladern, Koken
und Wihnan, der diese als Jugendblasorchester aufgebaut hatte und dem seitens
des Heimatkreises auch die gesamte Organisation mit dem Blasorchester oblag.
Nach der Kaffeepause boten die Bläser aus Grimmen ein äußerst
vielseitiges, mit großer Begeisterung aufgenommenes Programm, zu dem u.a.
der Radetzkymarsch, die Egerländer Polka, bekannte heimatliche Lieder sowie
ein Volkslieder-Potpourri gehörten. Als Dirigent wechselten sich Uwe Dillner,
Leiter des Orchesters, und Heimatfreund Josef Heina ab. Außerdem hatte
Uwe Dillner ein Riesengebirgs-Quiz mitgebracht, bei dem es CDs mit dem Blasorchester
zu gewinnen gab. Mit nicht enden wollendem Beifall dankten die Zuhörer,
die Musiker erwiderten mit mehreren Zugaben.
Die traditionelle Mundartstunde war auch in diesem Jahr ein großer Genuß
und für alle Anwesenden ein echtes Bedürfnis, wie der überfüllte
Raum und der oft prasselnde Beifall für die gehaltvollen Darbietungen bezeugten.
"Eingerahmt" von Walter Zluwa (Reichenberg) und Karl Zimmermann (Isergebirge)
boten Gerti und Franz Ronefeld mit ihren Gedichten hohe inhaltliche Kompetenz
und darstellerisches Können, so, wie wir es seit Jahren von ihnen gewohnt
sind. Ihre Geschichten aus unserer Heimat, über die ehemaligen deutschen
Bewohner, über nette Begebenheiten aus unseren Dörfern und Städten,
zeigten die nachhaltige innere Bindung zum Riesengebirge, zu den Menschen, die
früher dort gelebt und gewirkt haben. Gerti und Franz fungierten erneut
als eingespieltes Team, das auch außerhalb ihrer Texte mehrfach für
einen neckischen Schlagabtausch sorgte. Die Zuhörer dankten es mit Schmunzeln
und spontaner Akklamation.
Walter Zluwa, sonst mehr für die große Politik zuständig, und
Karl Zimmermann als guter Kenner des Isergebirgsdichters Gustav Leutelt, taten
das Ihrige, um mit Reichenberger Eleganz und volkstümlichem Humor die Veranstaltung
zu einer würdigen Angelegenheit werden zu lassen.
Einiges aus dem Angebot von Gerti und Franz kann man sicher in den bekannten
"Bichlan" nachlesen, die längst zu einem festen Bestandteil der
modernen Riesengebirgsdichtung geworden sind.
Diese Dichtung hat dauernden Bestand, denn für sie und ebenso für
die Menschen gibt es keine biologische Lösung. Geist und Dichtung leben
weiter.
Der Heimatabend fand auch diesmal in der Gaststätte statt, was eine wesentlich
gemütlichere Atmosphäre als im großen Saal schuf. Der Alleinunterhalter
aus Güstrow sorgte mit seiner auf die Anwesenden abgestimmten Musik – es
wurden uns allen Bekanntes geboten – für eine gute Stimmung und es wurde
fleißig getanzt.
Auch in diesem Jahr fiel die im Programm angekündigte heilige Messe im
Veranstaltungssaal leider aus organisatorischen Gründen aus. Und so blieb
es bisher bei dem einmaligen Erleben eines eigenen Gottesdienstes mit Heimatpfarrer
Wenzel Baudisch () als Höhepunkt des 4. Nordtreffens im Jahre 2005.

So begann der Sonntagvormittag mit dem Gedenken an unsere Toten durch den 1.
Vorsitzenden Werner Haase. Feierlich eingeleitet wurde diese Gedenkstunde mit
dem Glockenklang der Erzdekanalkirche von Trautenau in einer Original-Tonbandaufnahme.
Es wurde zunächst der Heimatfreunde gedacht, die uns seit dem letzten Treffen
verlassen haben. Die Gedanken gingen weiter in die Heimat, an die dort Ruhenden,
an die Opfer von Krieg und Vertreibung, von Terror und Naturkatastrophen. Mit
dem gemeinsamen Beten des "Vater unser" fand das Gedenken seinen Abschluß.
Am späten Vormittag wurde der DVD-Film "Trautenau und das Riesengebirge"
vorgeführt. Auch dieser zweite Film von Familie Hiemer / Radowenz zeigte
wunderbare Aufnahmen unserer Heimat, untermalt von passender Musik.
Die umfangreichen Erläuterungen Helmut Hiemers bewiesen erneut sein großes
Hintergrundwissen. Viele Erinnerungen wurden wachgerufen und alle Zuschauer
waren wieder einmal 60 Minuten in die Heimat entführt.
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Am frühen Nachmittag dann die schon zur Tradition gewordene maritime Veranstaltung
mit dem Shantychor "De Fischlänner Seelüd" aus Ribnitz-Damgarten
unter der Leitung von Peter Nitz. Nach eineinhalb Tagen "zuhause",
dem Gedenken an die Heimat, die Vergangenheit, waren wir nun wieder in der Gegenwart
angekommen, hier im Nordosten Deutschlands, wo wir heute leben. Neben seinem
eigentlichen Programm mit bekannten Seemannsliedern war
auch in diesem Jahr wieder die eindrucksvolle Darbietung unserer "Blauen
Berge, grüne Täler...", gemeinsam gesungen, Höhepunkt. Passend
zu dem Grundgedanken dieser Veranstaltung wurde dann zum Abschluß das
Heimatlied von der Ostseeküste "Wo de Ostseewellen..." ebenfalls
gemeinsam gesungen. So waren wir nun wieder von den "blauen Bergen und
grünen Tälern zum gelben Ginster im Dünensand" zurückgekehrt.
Der „restliche Nachmittag gehörte wieder ganz den persönlichen Begegnungen.
Auch heuer hatte Heimatfreund Hans Wimmer, HOB Kleinaupa, eine kleine Ausstellung
aus Thüringen mitgebracht. Es waren Vergrößerungen aus seiner
umfangreichen historischen Ansichtskartensammlung von unserer Heimat, die viele
Betrachter fanden.

Anmerkung: Fots wurden freundlicherweise von Hern Joachim Kruske, Frau Anneliese Berger, Foto-Zorn, Gnoin zur Verfügung gestellt.