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Quelle: "Riesengebirgsheimat" – Heimatblatt für die ehemaligen Kreise Trautenau und Hohenelbe

63. Heimattreffen der Riesengebirgler aus dem Kreis Trautenau

von Peter Barth

Das diesjährige Heimattreffen stand ganz im Zeichen des Jubiläums "50 Jahre Patenschaft der Stadt Würzburg über die Vertriebenen aus der Stadt und dem Landkreis Trautenau". Aus diesem Anlass wurde eine Festschrift herausgegeben, die jeder Teilnehmer erhielt. Unter den etwa 700 Besuchern waren auch wieder die "Stammgäste" aus den USA, das Ehepaar Rudi und Irmgard Wolf sowie Deutsche, die heute noch in Trautenau und Umgebung leben.

Traditionsgemäß begann das Treffen am Freitagvormittag mit einem Empfang der Stadt Würzburg im historischen Wenzelsaal des Rathauses. Von beiden Seiten gab es einen Rückblick auf die gemeinsam zurückgelegten 50 Jahre sowie einen Ausblick in die Zukunft, die auch weiterhin – entsprechend der Möglichkeiten – gemeinsam gestaltet werden soll. Werner Haase, 1. Vorsitzender des Heimatkreises, konnte Bürgermeisterin Marion Schäfer die "Ehrenurkunde für 50 Jahre Patenschaft" des Sprechers der sudetendeutschen Volksgruppe und Präsidenten des Bayerischen Landtages a.D., Johann Böhm, überreichen.

Am Abend ein Vortrag "Lebensbilder berühmter Sudetendeutscher" von Helmut Hiemer, der speziell für die Würzburger gestaltet war. In diesem wurde über hervorragende Persönlichkeiten berichtet, die entweder aus dem Riesengebirge stammten oder aber eine besondere Bedeutung für die Stadt Würzburg haben. So u.a. Balthasar Neumann, Baudirektor der Würzburger Fürstbischöfe, dessen Name untrennbar mit der Residenz verbunden ist, oder Igo Etrich, Konstrukteur des ersten Motorflugzeuges Österreichs, dem ein Gedenkstein auf dem Club-Flugplatz Würzburg-Schenkenturm gewidmet ist.

Die offizielle Eröffnung erfolgte am Samstagnachmittag mit der Hauptversammlung. In seinem Referat ging der 1. Vorsitzende, Werner Haase, auf die Arbeit des Heimatkreises im letzten Jahr und die politische Situation hinsichtlich der Vertriebenen ein. "Wir sind aus der Heimat vertrieben worden. Nun müssen wir aufpassen, dass wir nicht auch noch aus der Geschichte vertrieben werden", so Haase wörtlich und forderte die Anwesenden auf, "alles aufzuschreiben, was mit unserer Geschichte, unserer Vergangenheit zu tun hat". Weitere Schwerpunkte waren das BGZ in Trautenau, bei dem es ernste finanzielle Probleme gibt, sowie die "Aktion Deutsche Ortsnamen" (s. RGH Nr. 7/2006, Seite 6).

Abschließend forderte Haase zum Besuch des SL-Büros in Prag auf. Es folgten die "obligatorischen Berichte" der Kassiererin sowie der Kassenprüfer, im Anschluss die Entlastung der Kassiererin und des Vorstandes. Zur Auszeichnung mit der Ehrenmitgliedschaft wurden vorgeschlagen: Bärbel Köstler – postum (ehemalige Heimatortsbetreuerin Kleinaupa), Paul Pusch (Chronist Ketzelsdorf), Werner Haase (1. Vorsitzender des Heimatkreises) und Willi Dürrnagel (Stadtrat Würzburg). Diese Vorschläge erhielten die Zustimmung. Leider konnte Bärbel Köstler diese Ehrung erst postum zuteil werden. Eine Tatsache, die uns in jeder Hinsicht zum Nachdenken anregen sollte. Peter Schulz, der die Internetseite des Heimatkreises betreut, wurde vorgestellt und ihm für die bisher geleistete Arbeit gedankt. Helmut Hiemer trug wieder in bewährter Form die Statistik vor. Gegenwärtig zählt der Heimatkreis 1.341 Mitglieder. Hiemer konnte auch wieder über den positiven Trend beim Spendenaufkommen berichten, für das Haase recht herzlich dankte.

Anschließend fand die Tagung der Heimatortsbetreuer statt. Haase betonte die Wichtigkeit der Arbeit der HOB (Heimatortsbetreuer) und konnte feststellen, dass bis auf wenige Ausnahmen alle Heimatgemeinden noch betreut werden. Er dankte für die geleistete Arbeit und forderte erneut dazu auf, unsere Geschichte, unsere Einzelschicksale aufzuschreiben, damit sie der Nachwelt erhalten bleiben. Hierzu leistet auch unsere Heimatzeitung einen erheblichen Anteil, deren Gestaltung ein weiterer Schwerpunkt war.

Am späten Nachmittag eine Mundartstunde mit Rudi Staffa, die seit mehr als zwei Jahrzehnten zu den Höhepunkten der Heimattreffen gehört. Im Mittelpunkt standen heuer Kindheitserinnerungen, vorwiegend der Autoren Josef Tatsch und Othmar Fiebiger, mit solchen Gedichten wie "Luse Jengallan" oder "Nischtnotziche Jongaesso". Und als "Gegenpol" von seiner Frau Marthl, selbst geschrieben und vorgetragen, vom "Lausmenschel". Mit dabei auch wieder Karlheinz Kolar mit seinem Schifferklavier, der lustige Mundartliedchen sang, die zum Mitsingen anregten. Die Begeisterung der Zuhörer zeigte erneut, welch hohes Ansehen unsere Heimatsprache bei den Landsleuten genießt.

Der Festabend wurde mit einem Sektempfang eingeleitet. Neben dem Ehrengast Barbara Stamm, Vizepräsidentin des Bayerischen Landtages und Staatsministerin a.D., konnten auch in diesem Jahr wieder bedeutende Persönlichkeiten der Stadt Würzburg, unter der Leitung von Oberbürgermeisterin Pia Beckmann, des Regierungsbezirkes Unterfranken mit Regierungsvizepräsidenten Andreas Metschke, der Kirche, vertreten durch Domkapitular Prälat Josef Peter, sowie der Vertriebenenverbände, an der Spitze Karl Nausch, Vizepräsident der SL-Bundesversammlung, begrüßt werden.

Den Festvortrag hielt Barbara Stamm, die sich nachdrücklich für ein Zentrum gegen Vertreibungen in Berlin einsetzte. Wesentliche Auszüge ihrer Ansprache haben wir bereits in der letzten Ausgabe veröffentlicht.

Das Grußwort des "Paten" wurde von Pia Beckmann gesprochen. Darin ging sie zunächst auf die schweren Anfangsjahre nach dem Zweiten Weltkrieg ein, in denen die Vertriebenen ihre Heimat verloren hatten, die Würzburger durch die sinnlosen Bombenangriffe – der Kriegsausgang war längst entschieden – in einer völlig zerstörten Stadt leben mussten. Gemeinsam hat man vieles geschaffen. Wiederum gab es ein klares Bekenntnis zur Patenschaft. Im Anschluss überreichte der 1. Vorsitzende des Heimatkreises das Jubiläumsgeschenk an die Patenstadt, ein Relief aus Lindenholz vom Ringplatz in Trautenau (Abb. s. RGH Nr. 8/2006, Seite 5). Weitere – gesprochene oder schriftliche – Grußworte gab es von Andreas Metschke, Regierungsvizepräsident von Unterfranken, Franz Longin, Vorsitzender des Sudetendeutschen Heimatrates, Christian Eichmann, 1. Vorsitzender des Heimatkreises Hohenelbe / Riesengebirge sowie von A. Kipplinger, SL-Bezirksobmann von Unterfranken.

Während des Festabends erfolgte auch die Ernennung der in der Hauptversammlung beschlossenen Ehrenmitglieder. Moderiert wurde die Veranstaltung durch Helmut Hiemer, der wieder sein Können auf der Klarinette bewies und von Karlheinz Kolar (Schifferklavier) sowie Rudi Staffa (Mundartbeitrag) unterstützt wurde.

Den kulturellen Teil gestaltete die Tanzgruppe Ochsenfurter Gautracht, die die Verbundenheit mit Unterfranken versinnbildlichte, sowie der Gemischte Chor aus Reichenberg / Unterfranken unter der Leitung von Thomas Neugebauer. Aus dessen Programm insbesondere die von Otmar Künl vertonten Lieder "Wie warst Heimat du so schön" (Text ebenfalls von Künl) und "Seit dem sie verloren" (Text Otmar Fiebiger) einen tiefen Eindruck hinterließen. Der offizielle Teil wurde – unter der gewaltigen Stimmführung von Pfarrer Wenzel Baudisch – mit dem gemeinsam ergreifend gesungenen Riesengebirgslied beendet.

Der Sonntagvormittag begann mit einem Gottesdienst in der Franziskanerkirche. Dieser, gewidmet dem Gedenken an Bärbel Köstler, war etwas ganz besonderes, wurde er doch von Weihbischof Helmut Bauer gemeinsam mit unserem Heimatpfarrer Wenzel Baudisch zelebriert. In seiner Predigt erinnerte Bauer an die Vertreibung vor 60 Jahren und ging dabei insbesondere auf die Kinder ein, die das Geschehen nicht begreifen konnten. So sei eine für Kinder nicht erfassbare Spirale der Gewalt entstanden. In Sorge und Verantwortung für die junge Generation solle die Erlebnisgeneration die Erinnerung wach halten. "Alle, die dieses Unrecht erfahren haben, sind Missionare Christi, die dafür Sorge tragen, dass derartiges Unrecht nicht mehr geschehen kann", so der Weihbischof. Auch musikalisch war der Gottesdienst ein "Festakt", wirkten doch die Kirchenchöre Veitshöchheim und Thüngersheim sowie die Bläsergruppe Gropp mit, die der Schubertmesse einen besonders feierlichen Rahmen gaben.

Danach das Totengedenken im Kreuzgang des Franziskanerklosters, an dem ebenfalls die Bläser mitwirkten. In einfühlsamen Worten gedachte Helmut Hiemer der Opfer des Krieges, insbesondere der 5.000 Toten der Bombennacht in Würzburg am 16. März 1945, der Opfer von Flucht und Vertreibung sowie der im letzten Jahr verstorbenen Landsleute, unter ihnen die Ehrenmitglieder des Heimatkreises Dr. Hans Föhst, Irmgard Kneifel, Bärbel Köstler, Otmar Künl und Erwin Nagel.

Nach dem Totengedenken: Heimatpfarrer Wenzel Baudisch, Weihbischof Helmut Bauer, Werner Haase(l. Vorsitzender) und Helmut Hiemer, der das Totengedenken sprach (v.l.) Fotos: Helmut Hiemer (5)

Am späten Nachmittag die Fortsetzung der Reihe "Lebensbilder großer Sudetendeutscher" von Helmut Hiemer, die im vergangenen Jahr begonnen wurde.

Traditionsgemäß gehörte dann der Sonntagnachmittag wieder ganz den persönlichen Begegnungen, wobei viele alte Erinnerungen ausgetauscht und neue Bekanntschaften geschlossen wurden.

Schließen möchte ich mit der Einladung zum 64. Heimattreffen, das vom 13. bis 15. Juli 2007 in Würzburg stattfinden wird, sowie den Worten von Rudi Staffa:

"A gutt Geschecke wat’s schun gan,
doß mo on´s oft noch wiedosah ’n.
Su wensch ich olla Freinda heite:
Gieht ock glecklich, liewe Leite."


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