Unter den etwa 600 Besuchern des dreitägigen
Treffens Mitte Juli in der Patenstadt Würzburg waren auch wieder die "Stammgäste"
aus den USA, das Ehepaar Rudolf und Irmgard Scholz, sowie Deutsche, die heute
noch in Trautenau und Umgebung leben, unter ihnen auch Inge Eflerová,
die Leiterin vom BGZ Trautenau.
Traditionsgemäß fand am Freitagvormittag der Empfang der Stadt Würzburg
im historischen Wenzelsaal des Rathauses statt. Eingeladen hatte die Oberbürgermeistern
der Patenstadt, Dr. Pia Beckmann. In ihrer Ansprache wies Beckmann auf die vielseitigen
historischen Beziehungen zwischen Würzburg und Böhmen hin und dankte erneut
den Riesengebirglern für das tatkräftige Mitwirken am Wiederaufbau der 1945
völlig zerstörten Stadt. Höhepunkt war die Information, dass die seit fast zehn
Jahren angestrebte Partnerschaft mit unserer Heimatstadt Trautenau nun in greifbare
Nähe gerückt sei und der Heimatkreis Trautenau
in diese "Dreiecksbeziehung" einbezogen werde. (Anmerkung: In der
Stadtratsitzung vom 25. Juli 2007 wurde zwischenzeitlich der entsprechende Beschluss
einstimmig bestätigt und auch vom Bürgermeister von Trautenau liegt bereits
eine positive Stellungnahme vor auch dort muss der Stadtrat noch zustimmen).
Werner Haase, 1. Vorsitzender des Heimatkreises, betonte: "Wir fühlen uns
hier wohl, haben in der Riesengebirgsstube ein zuhause gefunden" und dankte
insbesondere hinsichtlich der erneuten Aktivitäten zur Aufnahme der Partnerschaft
mit Trautenau.
Am Nachmittag war in die Heimatstube eingeladen worden. Neben der allgemeinen
Besichtigung, bei der besonders die Exponate "Igo Etrich ein Flugpionier
aus dem Riesengebirge" und "Emil Schwantner, der akademische Bildhauer
aus Trautenau" Beachtung fanden, folgten die Gäste interessiert den Ausführungen
Helmut Hiemers zu seiner Vortragsreihe über "Lebensbilder bedeutender Sudetendeutscher",
so u.a. über Balthasar Neumann. Premiere hatte Hiemers zweiter DVD-Film "Heimat
Riesengebirge", der erneut von großem heimatlichen Wissen und handwerklichen
Fähigkeiten zeugt.
Nachdem am Samstagvormittag in der s.Oliver-Arena bereits die ersten persönlichen
Begegnungen waren, fand am Nachmittag die Hauptversammlung 2007 des Riesengebirgler
Heimatkreises Trautenau e.V. statt. In seinem Referat ging der 1. Vorsitzende,
Werner Haase, auf die Arbeit des letzten Jahres und die politische Situation
der Vertriebenen ein.
Ein Schwerpunkt der Arbeit des Vorstandes sind die Aktivitäten hinsichtlich
der Treffen. Sie beginnen zunächst mit der Auswertung des jeweiligen Treffens
und gehen kontinuierlich in die Vorbereitung des nächstens Treffens über. Es
wird auf die relativ hohen finanziellen Belastungen durch die Treffen hingewiesen,
bedingt durch die steigenden Kosten sowie die sinkenden Besucherzahlen. In diesem
Zusammenhang dankte Haase für die bisher großzügige Spendenbereitschaft der
Mitglieder und bat auch künftig um weitere Unterstützung.
Die Darstellung des Heimatkreises im Internet wird als gut eingeschätzt und
Haase dankte dem Betreuer Peter Schulz. Nicht zufriedenstellend ist der Besuch
der Heimatstube durch unsere Landsleute, das Interesse der örtlichen Schulen
ist auch leider gering.
Das Verhältnis zur Patenstadt Würzburg ist nach wie vor gut. Auf Grund der finanziellen
Lage ist jedoch gegenwärtig in dieser Hinsicht keine Unterstützung zu erwarten.
Breiten Raum nahm die Problematik der Partnerschaft Würzburg Trautenau
ein. Der 1. Vorsitzende informierte, dass die Partnerschaft mit unserer Heimatstadt,
die bereits 1998 vom Stadtrat beschlossen wurde, nunmehr in greifbare Nähe gerückt
ist. Auch über die Zusicherung, dass wir als Heimatkreis mit einbezogen werden.
Haase berichtete in diesem Zusammenhang über seine eigenen Aktivitäten seit
seiner Amtsübernahme 1999. Unzählige Gespräche wurden mit Vertretern der Stadt
Würzburg, so mit dem ehem. 3. Bürgermeister, unserem Ehrenmitglied Bauer, und
damaligen OB Weber geführt. Ebenso mit dem Bürgermeister von Trautenau Adamec
und seinem Vorgänger. Letztendlich scheiterte die Realisierung an der Administration
in Würzburg, lag vor allem aber an der finanziellen Lage.
Das BGZ in Trautenau ist jetzt durch die Arbeitsaufnahme von Frau Inge Eflerováund
Monika Bobrováwieder arbeitsfähig. Haase informierte noch einmal über
die Verleihung der Adalbert-Stifter-Medaille an Rudi Staffa durch die SL. Mit
der Igo-Etrich-Plakette des Heimatkreises wird in diesem Jahr Franz Ronefeld
geehrt, die Übergabe erfolgt beim 5. Nordtreffen in Rostock. Beide Geehrten
erhalten die Auszeichnungen für ihre Arbeiten zum Erhalt unserer Mundart.
Bei seiner Einschätzung der gegenwärtigen politischen Situation hinsichtlich
der Vertriebenen wies Haase darauf hin, dass die SL (Sprecher Johann Böhm, Bundesvorsitzender
Bernd Posselt sowie die Bundesversammlung) seit Jahren den Offiziellen der Tschechischen
Republik die Hand zum Dialog reicht. Die Antwort ist jedoch immer gleichlautend:
"Wir verhandeln mit keiner Volksgruppe, keinem Verein." Die Einladung
zum Sudetendeutschen Tag, der unter dem Motto "Brücke zur Heimat"
stand, hat der tschechische Ministerpräsident, Mirek Topolánek, nicht
angenommen. In einem Schreiben an Posselt teilt er mit, dass seine Anwesenheit
bei dem Vertriebenentreffen nicht zur Verbesserung des deutsch-tschechischen
Verhältnisses beitragen würde. Posselt sieht es aber als positiv an, dass es
überhaupt eine Antwort gab. Wie bescheiden sind wir doch geworden! Deshalb sieht
Haase in den persönlichen Begegnungen zwischen unseren Landsleuten und den heute
dort lebenden Tschechen, sei es auf privater, kommunaler oder Vereinsebene,
eine Möglichkeit, gegenseitiges Vertrauen zu schaffen. Hoffen wir, dass sich
dies auch mit der Zeit bis auf Regierungsebene fortsetzt. Unsere Gegner setzen
nach wie vor auf die "biologische Lösung".
Abschließend dankte der 1. Vorsitzende dem Vorstand und den Beiräten, den Kassenprüfern,
dem Ehrenvorsitzenden sowie der Geschäftsführerin für die geleistete Arbeit
und allen Mitgliedern für die erwiesene Treue zum Heimatkreis. "Machen
wir so weiter!"
Den Kassenbericht für das Geschäftsjahr 2006, erstellt durch die Kassiererin
Christine Geißendörfer, wurde von der Geschäftsführerin Andrea Huber vorgetragen,
durch die Kassenprüfer Manfred Luschtinetz und Rainer Nemetschek bestätigt und
Antrag auf Entlastung der Kassiererin sowie des gesamten Vorstandes gestellt.
Diese Entlastung wird von der Hauptversammlung einstimmig erteilt.
In der Aussprache berichtete Sieghart Rind über seine gemeinsame Arbeit mit
Peter Schulz zur Erfassung der Vertreibungstransporte 1945/46 aus Trautenau
in dem dortigen Bezirksarchiv. Es wurden insgesamt 28 Transporte, darunter drei
von 1945, erfasst. Die vorhandenen Unterlagen wurden zunächst kopiert und später
auf eine CD übertragen. Nach Abschluss der Arbeiten werden diese Unterlagen
für Interessenten in der Heimatstube zur Einsichtnahme zur Verfugung stehen.
Jedoch ausschließlich zur Einsichtnahme, keinesfalls zum Anfertigen von Kopien.
Helmut Hiemer trug wieder in bewährter Form die Statistik über Mitgliederbewegung
und Altersstruktur des Heimatkreises vor. Fakten, die wohl bei allen Vertriebenenverbänden
auftreten: Überalterung und schwindende Mitgliederzahlen. Weitere Diskussionspunkte
waren: die Gestaltung der Riesengebirgsheimat, Hinweise für die Fahrten in die
Heimat sowie das BGZ in Trautenau.
In der anschließenden Tagung der Heimatortsbetreuer betonte Haase die
Wichtigkeit der Arbeit der HOB, dankte für die geleistete Arbeit. Bis jetzt
werden bis auf Dubenetz noch alle Heimatorte betreut, dank der
Bereitschaft einiger Landsleute, mehrere Dörfer zu betreuen. Auch auf "Reaktivierungen"
können wir stolz sein, so bei Königinhof und Altenbuch-Döbernei. Er forderte
erneut dazu auf, unsere Geschichte, unsere Einzelschicksale niederzuschreiben
und der Heimatstube zu übergeben, damit sie der Nachwelt erhalten bleiben. Günter
Henke, HOB Lampersdorf, regte an, die Portopauschale als Briefmarken auszugeben.
Über die Form der Anschriftenbereinigung von Franz Reinhold, HOB Döberle, wird
an anderer Stelle berichtet. Ein weiterer Schwerpunkt war die Gestaltung unserer
Heimatzeitung.
Am späten Nachmittag die Mundartstunde mit Rudi Staffa, die auch heuer
wieder ein Höhepunkt des Heimattreffens war. "Zu Besuch in den Nachbarorten
und Nachbarkreisen" lautete das Motto des aus Altenbuch stammenden Mundartinterpreten.
Othmar Fiebiger u.a. mit einem bisher unveröffentlichten Loblied auf
seine Heimatgemeinde Altenbuch Hubert H. Birke, Gustel Steiner, Josef
Tatsch, Pater Meinrad und Franz Ronefeld kamen so durch Staffa mit Gedichten
und einer Erzählung zu Wort, aufgelockert durch Mundartlieder von einer CD,
gesungen von den Schwestern Hedl, Gretl und Marila aus Wildschütz. Nicht nur
der starke Beifall der etwa 100 Besucher waren Dank und Anerkennung, sondern
auch die vielen persönlichen Worte, teilweise mit Tränen in den Augen. Sie bewiesen
erneut die hohe Wertschätzung unserer Mundart durch die in der "sprachlichen
Diaspora" lebenden Landsleute. Anerkennung für das Wirken von Rudi Staffa
zum Erhalt unserer Muttersprache gab es auch "ganz offiziell" von
der Sudetendeutschen Landsmannschaft durch die Würdigung mit der Adalbert-Stifter-Medaille,
deren Überreichung durch Werner Haase im Rahmen des Festabends erfolgte.
Zu dem Festabend, der mit einem Sektempfang eingeleitet wurde, konnten
auch in diesem Jahr wieder bedeutende Persönlichkeiten der Stadt und des Landkreises
Würzburg, der Kirche sowie der Vertriebenenverbände begrüßt werden. So Oberbürgermeisterin
Pia Beckmann, der stellvertretende Landrat, Heinrich Freiherr von Zobel, Prälat
Josef Peter, der Vizepräsident der SL-Bundesversammlung Karl Nausch sowie die
Ehrenmitglieder und Stadträte Gerhard Franke und Willi Dürrnagel.
Entsprechend dem Motto "Lasst uns fröhlich sein" wurde diesmal auf
längere politische Ansprachen verzichtet, sondern Schwerpunkt auf das Unterhaltungsprogramm
gelegt. Gekonnt und in bewährter Weise führte wieder Helmut Hiemer durch den
Abend. Das Grußwort des "Paten" sprach Pia Beckmann. Zunächst der
Dank an die Trautenauer und alle Vertriebenen für die geleistete Aufbauarbeit
und ihr Mitwirken an der kulturellen Vielfalt der Stadt. Auch hier überbrachte
sie die Botschaft, dass der Abschluss einer Partnerschaft mit unserer Heimatstadt
Trautenau gegenwärtig aktiv betrieben wird. Mit stürmischem Beifall dankten
die Anwesenden für diese erneuten Bestrebungen, an denen unser Ehrenmitglied
Willi Dürrnagel maßgeblich beteiligt ist.
In seiner Ansprache verlieh der 1. Vorsitzende Werner Haase zunächst seiner
Freude über die Aktivitäten zum Abschluss der Partnerschaft mit Trautenau Ausdruck
und sicherte volle Unterstützung zu. In seiner kurzen Analyse der gegenwärtigen
Situation zwischen Deutschland und Tschechien konnte Haase erneut feststellen,
dass die Versöhnung zwischen den Landsleuten "an der Basis" schon
wesentlich weiter fortgeschritten sei als auf staatlicher Ebene. Höhepunkt des
Festabends war die Verleihung der Adalbert-Stifter-Medaille an das Ehrenmitglied
und langjährigen Beirat unseres Heimatkreises, den Mundartinterpreten Rudi Staffa.
Neben dem Förderpreis für Volkstumspflege ist diese Medaille die höchste Auszeichnung
der Sudetendeutschen Landsmannschaft auf kulturellem Gebiet. Die Verleihung,
die der 1. Vorsitzende des Heimatkreises, Werner Haase, vornahm, erfolgte für
die großartige Leistung Staffas zum Erhalt unserer Mundart in der Fremde, ohne
"Hinterland". Mit bewegten Worten dankte der Geehrte, dabei "ein
hohes Lied auf unsere Mundart singend".
Das Unterhaltungsprogramm, heuer also etwas umfangreicher, sollte wiederum die
Verbindung zwischen "alter und neuer Heimat" zeigen. So kamen die
Mitwirkenden sowohl aus den eigenen Reihen, wie die Schwestern Margarete Merk
und Marie Grysczyk, als auch aus der Umgebung von Würzburg, wie die Gesangsgruppe
von Nikolaus Blaß und die Volkstanzgruppe Maikäfer. Das Duo Huber-Johnsen, beide
gleichfalls aus der Würzburger Umgebung, brachten mit z.T. sketchhaften Darbietungen
heimatlicher Lieder auch in "Personalunion" diese kulturelle Verbindung
zwischen dem Riesengebirge und Franken zum Ausdruck. Zum Abschluss des offiziellen
Teils betraten noch einmal alle Mitwirkenden, denen mit einer Flasche Frankenwein
gedankt wurde, die Bühne und unter der kräftigen Stimme unseres Heimatpfarrers
Wenzel Baudisch wurde gemeinsam unser Riesengebirgslied gesungen. Anschließend
spielten die Musiker der Volkstanzgruppe zum Tanz auf und mit vielen interessanten
Unterhaltungen klang der Abend aus.
Der Sonntagvormittag begann mit der Heiligen Messe in der Franziskanerkirche,
zelebriert von Heimatpfarrer Wenzel Baudisch, der kurz vorher sein 40-jähriges
Priesterjubiläum feiern konnte. In seiner Predigt hob Baudisch die aufopferungsvolle
Bereitschaft der Würzburger hervor, in der total zerstörten Stadt die Vertriebenen
aufzunehmen und gemeinsam mit dem Wiederaufbau zu beginnen, gemeinsam ein neues
Zuhause zu schaffen. Im Anschluss das Totengedenken im Kreuzgang des
Franziskanerklosters. In würdigen Worten gedachte Helmut Hiemer der Toten von
Krieg, Flucht und Vertreibung sowie der im letzten Jahr heimgegangenen Landsleuten.
Traditionsgemäß gehörte dann der Sonntagnachmittag wieder ganz den persönlichen
Begegnungen, wobei viele alte Erinnerungen ausgetauscht und neue Bekanntschaften
geschlossen wurden.
Abschließend soll schon an dieser Stelle daraufhingewiesen werden, dass im nächsten
Jahr das 65. Heimattreffen bereits im April, vom 25. bis 27, stattfindet. Diese
"Vorverlegung" im Jahreszyklus findet auf Anregung vieler Mitglieder
wegen der bisherigen Wetterlage im Juli statt.