Quelle: "Riesengebirgsheimat" – Heimatblatt für die ehemaligen Kreise Trautenau und Hohenelbe

Das 64. Heimattreffen 2007 in Würzburg
aus dem Kreis Trautenau Partnerschaft Würzburg – Trautenau in Vorbereitung

von Peter Barth

Unter den etwa 600 Besuchern des dreitägigen Treffens Mitte Juli in der Patenstadt Würzburg waren auch wieder die "Stammgäste" aus den USA, das Ehepaar Rudolf und Irmgard Scholz, sowie Deutsche, die heute noch in Trautenau und Umgebung leben, unter ihnen auch Inge Eflerová, die Leiterin vom BGZ Trautenau.

Traditionsgemäß fand am Freitagvormittag der Empfang der Stadt Würzburg im historischen Wenzelsaal des Rathauses statt. Eingeladen hatte die Oberbürgermeistern der Patenstadt, Dr. Pia Beckmann. In ihrer Ansprache wies Beckmann auf die vielseitigen historischen Beziehungen zwischen Würzburg und Böhmen hin und dankte erneut den Riesengebirglern für das tatkräftige Mitwirken am Wiederaufbau der 1945 völlig zerstörten Stadt. Höhepunkt war die Information, dass die seit fast zehn Jahren angestrebte Partnerschaft mit unserer Heimatstadt Trautenau nun in greifbare Nähe gerückt sei und der Heimatkreis Trautenau in diese "Dreiecksbeziehung" einbezogen werde. (Anmerkung: In der Stadtratsitzung vom 25. Juli 2007 wurde zwischenzeitlich der entsprechende Beschluss einstimmig bestätigt und auch vom Bürgermeister von Trautenau liegt bereits eine positive Stellungnahme vor – auch dort muss der Stadtrat noch zustimmen). Werner Haase, 1. Vorsitzender des Heimatkreises, betonte: "Wir fühlen uns hier wohl, haben in der Riesengebirgsstube ein zuhause gefunden" und dankte insbesondere hinsichtlich der erneuten Aktivitäten zur Aufnahme der Partnerschaft mit Trautenau.

Am Nachmittag war in die Heimatstube eingeladen worden. Neben der allgemeinen Besichtigung, bei der besonders die Exponate "Igo Etrich – ein Flugpionier aus dem Riesengebirge" und "Emil Schwantner, der akademische Bildhauer aus Trautenau" Beachtung fanden, folgten die Gäste interessiert den Ausführungen Helmut Hiemers zu seiner Vortragsreihe über "Lebensbilder bedeutender Sudetendeutscher", so u.a. über Balthasar Neumann. Premiere hatte Hiemers zweiter DVD-Film "Heimat Riesengebirge", der erneut von großem heimatlichen Wissen und handwerklichen Fähigkeiten zeugt.

Nachdem am Samstagvormittag in der s.Oliver-Arena bereits die ersten persönlichen Begegnungen waren, fand am Nachmittag die Hauptversammlung 2007 des Riesengebirgler Heimatkreises Trautenau e.V. statt. In seinem Referat ging der 1. Vorsitzende, Werner Haase, auf die Arbeit des letzten Jahres und die politische Situation der Vertriebenen ein.

Ein Schwerpunkt der Arbeit des Vorstandes sind die Aktivitäten hinsichtlich der Treffen. Sie beginnen zunächst mit der Auswertung des jeweiligen Treffens und gehen kontinuierlich in die Vorbereitung des nächstens Treffens über. Es wird auf die relativ hohen finanziellen Belastungen durch die Treffen hingewiesen, bedingt durch die steigenden Kosten sowie die sinkenden Besucherzahlen. In diesem Zusammenhang dankte Haase für die bisher großzügige Spendenbereitschaft der Mitglieder und bat auch künftig um weitere Unterstützung.

Die Darstellung des Heimatkreises im Internet wird als gut eingeschätzt und Haase dankte dem Betreuer Peter Schulz. Nicht zufriedenstellend ist der Besuch der Heimatstube durch unsere Landsleute, das Interesse der örtlichen Schulen ist auch leider gering.

Das Verhältnis zur Patenstadt Würzburg ist nach wie vor gut. Auf Grund der finanziellen Lage ist jedoch gegenwärtig in dieser Hinsicht keine Unterstützung zu erwarten. Breiten Raum nahm die Problematik der Partnerschaft Würzburg – Trautenau ein. Der 1. Vorsitzende informierte, dass die Partnerschaft mit unserer Heimatstadt, die bereits 1998 vom Stadtrat beschlossen wurde, nunmehr in greifbare Nähe gerückt ist. Auch über die Zusicherung, dass wir als Heimatkreis mit einbezogen werden. Haase berichtete in diesem Zusammenhang über seine eigenen Aktivitäten seit seiner Amtsübernahme 1999. Unzählige Gespräche wurden mit Vertretern der Stadt Würzburg, so mit dem ehem. 3. Bürgermeister, unserem Ehrenmitglied Bauer, und damaligen OB Weber geführt. Ebenso mit dem Bürgermeister von Trautenau Adamec und seinem Vorgänger. Letztendlich scheiterte die Realisierung an der Administration in Würzburg, lag vor allem aber an der finanziellen Lage.

Das BGZ in Trautenau ist jetzt durch die Arbeitsaufnahme von Frau Inge Eflerováund Monika Bobrováwieder arbeitsfähig. Haase informierte noch einmal über die Verleihung der Adalbert-Stifter-Medaille an Rudi Staffa durch die SL. Mit der Igo-Etrich-Plakette des Heimatkreises wird in diesem Jahr Franz Ronefeld geehrt, die Übergabe erfolgt beim 5. Nordtreffen in Rostock. Beide Geehrten erhalten die Auszeichnungen für ihre Arbeiten zum Erhalt unserer Mundart.

Bei seiner Einschätzung der gegenwärtigen politischen Situation hinsichtlich der Vertriebenen wies Haase darauf hin, dass die SL (Sprecher Johann Böhm, Bundesvorsitzender Bernd Posselt sowie die Bundesversammlung) seit Jahren den Offiziellen der Tschechischen Republik die Hand zum Dialog reicht. Die Antwort ist jedoch immer gleichlautend: "Wir verhandeln mit keiner Volksgruppe, keinem Verein." Die Einladung zum Sudetendeutschen Tag, der unter dem Motto "Brücke zur Heimat" stand, hat der tschechische Ministerpräsident, Mirek Topolánek, nicht angenommen. In einem Schreiben an Posselt teilt er mit, dass seine Anwesenheit bei dem Vertriebenentreffen nicht zur Verbesserung des deutsch-tschechischen Verhältnisses beitragen würde. Posselt sieht es aber als positiv an, dass es überhaupt eine Antwort gab. Wie bescheiden sind wir doch geworden! Deshalb sieht Haase in den persönlichen Begegnungen zwischen unseren Landsleuten und den heute dort lebenden Tschechen, sei es auf privater, kommunaler oder Vereinsebene, eine Möglichkeit, gegenseitiges Vertrauen zu schaffen. Hoffen wir, dass sich dies auch mit der Zeit bis auf Regierungsebene fortsetzt. Unsere Gegner setzen nach wie vor auf die "biologische Lösung".

Abschließend dankte der 1. Vorsitzende dem Vorstand und den Beiräten, den Kassenprüfern, dem Ehrenvorsitzenden sowie der Geschäftsführerin für die geleistete Arbeit und allen Mitgliedern für die erwiesene Treue zum Heimatkreis. "Machen wir so weiter!"

Den Kassenbericht für das Geschäftsjahr 2006, erstellt durch die Kassiererin Christine Geißendörfer, wurde von der Geschäftsführerin Andrea Huber vorgetragen, durch die Kassenprüfer Manfred Luschtinetz und Rainer Nemetschek bestätigt und Antrag auf Entlastung der Kassiererin sowie des gesamten Vorstandes gestellt. Diese Entlastung wird von der Hauptversammlung einstimmig erteilt.

In der Aussprache berichtete Sieghart Rind über seine gemeinsame Arbeit mit Peter Schulz zur Erfassung der Vertreibungstransporte 1945/46 aus Trautenau in dem dortigen Bezirksarchiv. Es wurden insgesamt 28 Transporte, darunter drei von 1945, erfasst. Die vorhandenen Unterlagen wurden zunächst kopiert und später auf eine CD übertragen. Nach Abschluss der Arbeiten werden diese Unterlagen für Interessenten in der Heimatstube zur Einsichtnahme zur Verfugung stehen. Jedoch ausschließlich zur Einsichtnahme, keinesfalls zum Anfertigen von Kopien. Helmut Hiemer trug wieder in bewährter Form die Statistik über Mitgliederbewegung und Altersstruktur des Heimatkreises vor. Fakten, die wohl bei allen Vertriebenenverbänden auftreten: Überalterung und schwindende Mitgliederzahlen. Weitere Diskussionspunkte waren: die Gestaltung der Riesengebirgsheimat, Hinweise für die Fahrten in die Heimat sowie das BGZ in Trautenau.

In der anschließenden Tagung der Heimatortsbetreuer betonte Haase die Wichtigkeit der Arbeit der HOB, dankte für die geleistete Arbeit. Bis jetzt werden – bis auf Dubenetz – noch alle Heimatorte betreut, dank der Bereitschaft einiger Landsleute, mehrere Dörfer zu betreuen. Auch auf "Reaktivierungen" können wir stolz sein, so bei Königinhof und Altenbuch-Döbernei. Er forderte erneut dazu auf, unsere Geschichte, unsere Einzelschicksale niederzuschreiben und der Heimatstube zu übergeben, damit sie der Nachwelt erhalten bleiben. Günter Henke, HOB Lampersdorf, regte an, die Portopauschale als Briefmarken auszugeben. Über die Form der Anschriftenbereinigung von Franz Reinhold, HOB Döberle, wird an anderer Stelle berichtet. Ein weiterer Schwerpunkt war die Gestaltung unserer Heimatzeitung.

Am späten Nachmittag die Mundartstunde mit Rudi Staffa, die auch heuer wieder ein Höhepunkt des Heimattreffens war. "Zu Besuch in den Nachbarorten und Nachbarkreisen" lautete das Motto des aus Altenbuch stammenden Mundartinterpreten. Othmar Fiebiger – u.a. mit einem bisher unveröffentlichten Loblied auf seine Heimatgemeinde Altenbuch – Hubert H. Birke, Gustel Steiner, Josef Tatsch, Pater Meinrad und Franz Ronefeld kamen so durch Staffa mit Gedichten und einer Erzählung zu Wort, aufgelockert durch Mundartlieder von einer CD, gesungen von den Schwestern Hedl, Gretl und Marila aus Wildschütz. Nicht nur der starke Beifall der etwa 100 Besucher waren Dank und Anerkennung, sondern auch die vielen persönlichen Worte, teilweise mit Tränen in den Augen. Sie bewiesen erneut die hohe Wertschätzung unserer Mundart durch die in der "sprachlichen Diaspora" lebenden Landsleute. Anerkennung für das Wirken von Rudi Staffa zum Erhalt unserer Muttersprache gab es auch "ganz offiziell" von der Sudetendeutschen Landsmannschaft durch die Würdigung mit der Adalbert-Stifter-Medaille, deren Überreichung durch Werner Haase im Rahmen des Festabends erfolgte.

Zu dem Festabend, der mit einem Sektempfang eingeleitet wurde, konnten auch in diesem Jahr wieder bedeutende Persönlichkeiten der Stadt und des Landkreises Würzburg, der Kirche sowie der Vertriebenenverbände begrüßt werden. So Oberbürgermeisterin Pia Beckmann, der stellvertretende Landrat, Heinrich Freiherr von Zobel, Prälat Josef Peter, der Vizepräsident der SL-Bundesversammlung Karl Nausch sowie die Ehrenmitglieder und Stadträte Gerhard Franke und Willi Dürrnagel.

Entsprechend dem Motto "Lasst uns fröhlich sein" wurde diesmal auf längere politische Ansprachen verzichtet, sondern Schwerpunkt auf das Unterhaltungsprogramm gelegt. Gekonnt und in bewährter Weise führte wieder Helmut Hiemer durch den Abend. Das Grußwort des "Paten" sprach Pia Beckmann. Zunächst der Dank an die Trautenauer und alle Vertriebenen für die geleistete Aufbauarbeit und ihr Mitwirken an der kulturellen Vielfalt der Stadt. Auch hier überbrachte sie die Botschaft, dass der Abschluss einer Partnerschaft mit unserer Heimatstadt Trautenau gegenwärtig aktiv betrieben wird. Mit stürmischem Beifall dankten die Anwesenden für diese erneuten Bestrebungen, an denen unser Ehrenmitglied Willi Dürrnagel maßgeblich beteiligt ist.

In seiner Ansprache verlieh der 1. Vorsitzende Werner Haase zunächst seiner Freude über die Aktivitäten zum Abschluss der Partnerschaft mit Trautenau Ausdruck und sicherte volle Unterstützung zu. In seiner kurzen Analyse der gegenwärtigen Situation zwischen Deutschland und Tschechien konnte Haase erneut feststellen, dass die Versöhnung zwischen den Landsleuten "an der Basis" schon wesentlich weiter fortgeschritten sei als auf staatlicher Ebene. Höhepunkt des Festabends war die Verleihung der Adalbert-Stifter-Medaille an das Ehrenmitglied und langjährigen Beirat unseres Heimatkreises, den Mundartinterpreten Rudi Staffa. Neben dem Förderpreis für Volkstumspflege ist diese Medaille die höchste Auszeichnung der Sudetendeutschen Landsmannschaft auf kulturellem Gebiet. Die Verleihung, die der 1. Vorsitzende des Heimatkreises, Werner Haase, vornahm, erfolgte für die großartige Leistung Staffas zum Erhalt unserer Mundart in der Fremde, ohne "Hinterland". Mit bewegten Worten dankte der Geehrte, dabei "ein hohes Lied auf unsere Mundart singend".

Das Unterhaltungsprogramm, heuer also etwas umfangreicher, sollte wiederum die Verbindung zwischen "alter und neuer Heimat" zeigen. So kamen die Mitwirkenden sowohl aus den eigenen Reihen, wie die Schwestern Margarete Merk und Marie Grysczyk, als auch aus der Umgebung von Würzburg, wie die Gesangsgruppe von Nikolaus Blaß und die Volkstanzgruppe Maikäfer. Das Duo Huber-Johnsen, beide gleichfalls aus der Würzburger Umgebung, brachten mit z.T. sketchhaften Darbietungen heimatlicher Lieder auch in "Personalunion" diese kulturelle Verbindung zwischen dem Riesengebirge und Franken zum Ausdruck. Zum Abschluss des offiziellen Teils betraten noch einmal alle Mitwirkenden, denen mit einer Flasche Frankenwein gedankt wurde, die Bühne und unter der kräftigen Stimme unseres Heimatpfarrers Wenzel Baudisch wurde gemeinsam unser Riesengebirgslied gesungen. Anschließend spielten die Musiker der Volkstanzgruppe zum Tanz auf und mit vielen interessanten Unterhaltungen klang der Abend aus.

Der Sonntagvormittag begann mit der Heiligen Messe in der Fran­ziskanerkirche, zelebriert von Heimatpfarrer Wenzel Baudisch, der kurz vorher sein 40-jähriges Priesterjubiläum feiern konnte. In seiner Predigt hob Baudisch die aufopferungsvolle Bereitschaft der Würzburger hervor, in der total zerstörten Stadt die Vertriebenen aufzunehmen und gemeinsam mit dem Wiederaufbau zu beginnen, gemeinsam ein neues Zuhause zu schaffen. Im Anschluss das Totengedenken im Kreuzgang des Franziskanerklosters. In würdigen Worten gedachte Helmut Hiemer der Toten von Krieg, Flucht und Vertreibung sowie der im letzten Jahr heimgegangenen Landsleuten.

Traditionsgemäß gehörte dann der Sonntagnachmittag wieder ganz den persönlichen Begegnungen, wobei viele alte Erinnerungen ausgetauscht und neue Bekanntschaften geschlossen wurden.

Abschließend soll schon an dieser Stelle daraufhingewiesen werden, dass im nächsten Jahr das 65. Heimattreffen bereits im April, vom 25. bis 27, stattfindet. Diese "Vorverlegung" im Jahreszyklus findet auf Anregung vieler Mitglieder wegen der bisherigen Wetterlage im Juli statt.

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