Zum 66. Mal trafen sich die Riesengebirgler zu ihrem großen Wiedersehenfest, zum Bekenntnis der Treue zu ihrer Heimat, zu ihren Sitten und Gebräuchen in ihrer Patenstadt Würzburg. Neu seit dem letzten Jahr der Termin des Treffens im Jahreszyklus, neu diesmal der neue Treffensort, das Veranstaltungszentrum Heiligkreuz im Stadtteil Zellerau, neu seit Dezember 2008, dass unsere Patenstadt Würzburg nun auch die Partnerstadt unserer Heimatstadt Trautenau ist. Gekommen waren mehr als 400 Riesengebirgler, dabei auch unsere "Stammteilnehmer" aus den USA, Rudolf und Irmgard Wolf, sowie eine Gruppe mit sieben "heimatverbliebenen" Landsleuten unter der Leitung von Inge Efler, der Leiterin des BGZ´s in Trautenau.


Der Freitag: Traditionsgemäß am Vormittag der Empfang der Stadt Würzburg im historischen Wenzelsaal des Rathauses. Als Gastgeberin begrüßte Bürgermeisterin Marion Schäfer die Gäste, neben den Riesengebirglern weitere Repräsentanten der Stadt sowie Vertreter anderer Vertriebenenverbände. In ihrer Ansprache wies Schäfer auf die vielseitigen historischen Beziehungen zwischen Franken und Böhmen hin, für die auch dieser historische Saal Ausdruck ist.

Sie dankte erneut den Riesengebirglern so wie allen Vertriebenen
für das tatkräftige Mitwirken am Wiederaufbau der 1945 völlig zerstörten Stadt.
Schäfer betonte, dass der Heimatkreis in die junge Partnerschaft Trautenau
Würzburg einbezogen wird und bat um aktive Unterstützung bei der Umsetzung.
Werner Haase, 1. Vorsitzender des Heimatkreises, dankte für die langjährige
aktive Patenschaftsarbeit und sicherte zu, mitzuhelfen, den Partnerschaftsvertrag
mit Leben zu erfüllen. Bei interessanten Gesprächen zeigte sich, wie gut fränkischer
Wein und heimatlicher Mohnkuchen, auch in diesem Jahr wieder mitgebracht von
Helmut Hiemer, zusammenpassen. Am Nachmittag war in die Riesengebirgsstube
eingeladen worden. Neben der allgemeinen Besichtigung folgten die Gäste
interessiert den Ausführungen Helmut Hiemers zu seiner bereits mehrjährigen
Vortragsreihe "Lebensbilder bedeutender Sudetendeutscher", die diesmal
Heinrich Pleticha und Otfried Preußler gewidmet war. Als Besonderheit ist hervorzuheben,
dass der in Würzburg lebende Prof. Dr. Pleticha persönlich anwesend war. Hiemer
referierte über dessen allumfassende Recherchen zu den verwirrten Wegen der
Reichskleinodien des deutschen Kaiserreiches so Krone, Reichsapfel, Zepter,
Reichsschwert von ihrer erstmaligen Erwähnung bis zur Gegenwart, wobei
natürlich neben den bewegenden geschichtlichen Abläufen die Zeit während und
nach dem Zweiten Weltkrieg von besonderem Interesse war.

Heute werden sie in der Wiener Hofburg aufbewahrt. Dargelegt ist dieser Werdegang
in dem prachtvollen Fotoband "Des Reiches Glanz".
Otfried Preußler ist uns allen bekannt durch seine Rübezahl- und andere Geschichten.
Dargeboten wurde die Geschichte vom Haus am Rübezahlweg, die autobiographische
Züge trägt. Die Verbindung zwischen den beiden Vorgestellten ist das gemeinsam
herausgegebene "Große Balladenbuch".
Für den Abend lag von der Ackermann-Gemeinde Würzburg eine Einladung zu einem
Gottesdienst im Dom vor. In der Taufkapelle wurde zunächst der original aus
dem 13. Jahrhundert erhaltene Taufkessel Auslagerung zum Kriegsende
durch Msgr. Frühmorgen erläutert. Nach Erneuerung des Taufgelübdes wurde in
erhebender Weise mit Kerzen durch den dunklen Dom zum Hauptaltar gezogen, dort
die hl. Messe gefeiert. Im Anschluss kam es noch zu sehr interessanten Gesprächen
zwischen uns Riesengebirglern und den Mitgliedern der Ackermann-Gemeinde, wobei
deren Programm anlässlich des 20. Jahrestages des Mauerfalls durch Einfallsreichtum
besticht, wie z.B. eine Veranstaltung an der ehem. innerdeutschen Grenze (wir
werden über den Termin informieren).
Der Samstag: Wer wollte, konnte am Vormittag an einer Stadtführung mit unserem
Ehrenmitglied, Stadtrat Willi Dürrnagel der auch heuer wieder bei allen
wichtigen Veranstaltungen unser Gast war teilnehmen.
Nachdem am Vormittag im Saal des Veranstaltungszentrums bereits die ersten persönlichen
Begegnungen stattfanden, begann am Nachmittag die Hauptversammlung 2009 zunächst
mit den notwendigen Formalien. In seinem Referat ging der 1. Vorsitzende, Werner
Haase, auf die auch nach dem Wechsel im Amt des Oberbürgermeisters (Pia Beckmann
Georg Rosenthal) guten Patenschaftsbeziehungen zu Würzburg ein, dokumentiert
auch in der Bitte der Stadt an den Heimatkreis um Mithilfe bei "Erfüllung
des Partnerschaftsvertrages mit Leben". Hierzu wurden auch die Anwesenden
um Vorschläge gebeten was hiermit auf unsere Leser erweitert wird. Ein
Weg in dieser Richtung sind die regelmäßig in der Riesengebirgsstube durchgeführten
Veranstaltungen "Schatzsuche mit dem Rübezahl". Dieser Partnerschaftsvertrag,
über den in der RGH ausführlich informiert wurde (Briefwechsel, Presseberichte),
nahm einen breiten Raum ein. In diesem Zusammenhang steht auch die Einladung
des Trautenauer Bürgermeisters Ivan Adamec, dort 2010 ein Heimattreffen durchzuführen.
Dies wäre jedoch nur in Verbindung mit einzelnen Ortstreffen, die ja bereits
vielfach in den Heimatgemeinden stattfinden, möglich, wobei dann eine zentrale
Veranstaltung in Trautenau stattfinden könnte. Seitens des Heimatkreises ist
umgehend ein ev. Termin zu klären. Ein weiteres Beispiel der guten Zusammenarbeit
mit der Patenstadt ist die Präsentation unserer Patenschaftsurkunde auf der
Landesausstellung über den Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg. Zur korporativen
Mitgliedschaft des Heimatkreises in der SL wurde für dieses Jahr ein Beitrag
von 200 Euro unter dem Vorbehalt "wenn es die Kassenlage am Jahresende
zulässt" beschlossen. Haase wies auf die durch das BGZ Ende Mai
in Trautenau geplante Veranstaltung "Deutsch-tschechische Beziehungen im
Trautenauer Gebiet im Wandel der Zeiten" hin. Dass in diesem Programm auf
die Partnerschaft Trautenau Lohfelden hingewiesen und Würzburg nicht
erwähnt wird, liegt daran, dass z.Z. der Vorbereitung dieser Vertrag noch nicht
unterzeichnet war. Die Anwesenden wurden eingeladen. Es erfolgte weiterhin herzliche
Einladung zum 6. Nordtreffen der Riesengebirgler am 3. und 4. Oktober 2009 in
Rostock. Das Programm wurde bereits in der Mai-Ausgabe der RGH veröffentlicht
und ist auch den Mitgliedern persönlich zugegangen. Den Kassenbericht für das
Geschäftsjahr 2008, erstellt durch die Kassiererin Christine Geißendörfer, wurde
von der Geschäftsführerin Andrea Huber vorgetragen, durch die Kassenprüfer Manfred
Luschtinetz und Rainer Nemetschek bestätigt und Antrag auf Entlastung der Kassiererin
sowie des gesamten Vorstandes gestellt. Diese Entlastung wird von der Hauptversammlung
einstimmig erteilt. Helmut Hiemer trug wieder in bewährter Form die Statistik
für Mitgliederbewegung, Altersstruktur, Beitrags- und Spendenaufkommen vor und
musste dabei auf die altbekannten Fakten Überalterung, schwindende Mitgliederzahlen
sowie mangelnde Beitragszahlung einiger Mitglieder hinweisen. Jeder Leser möge
sich selbst fragen! Positiv hingegen ist das Spendenaufkommen, für das der 1.
Vorsitzende an dieser Stelle dankte und gleichzeitig an die "Nichtzahler"
appellierte. Die Mitgliederzahl beträgt per 01.04.2009 1.179 (Vorjahr 1.228).
"Führend" sind die Altersgruppen 75 bis 79 und 80 bis 84 Jahre mit
289 bzw. 300 Mitgliedern.
Peter Schulz, Betreuer der Internet-Seite unseres HK, informierte zunächst über
einige Grundlagen des Internets und stellte dann einige Seiten vor. Er konnte
feststellen, dass Anfragen aus aller Welt eingehen. Leider gab es hierbei anfänglich
technische Schwierigkeiten, so dass die HOB-Tagung auf Sonntag verschoben werden
musste. Abschließend dankte der 1. Vorsitzende allen für die geleistete Arbeit
und betonte noch einmal die Sorgen bezüglich Mitgliederzahl und Altersstruktur,
stellte aber optimistisch fest: "Noch können wir den HK in der jetzigen
Form fortführen."
Am späten Nachmittag die Mundartstunde mit Rudi Staffa, die auch heuer
wieder ein Höhepunkt des Treffens war. Mit seiner Auswahl "vorwiegend heiter,
aus der guten alten Zeit", mit Gedichten unserer Heimatdichter Josef Tatsch
und Pater Meinrad verstand es Staffa, die Zuhörer in dem bis auf den letzten
Platz besetzten Saal in seinen Bann zu ziehen, mit in die Heimat, in die eigene
Jugend zu entführen. Mit passender Zwischenmusik gab er den Anwesenden Gelegenheit,
sich ganz dem Gehörten "hinzugeben". Mit anhaltendem Beifall wurde
dem Vortragenden gedankt.

Zu dem Festabend, der unter dem Motto "Frohes Wiedersehen"
stand, konnten auch heuer bedeutende Persönlichkeiten der Stadt und des Landkreises
Würzburg, der Kirche sowie der Vertriebenenverbände begrüßt werden. Gleich zu
Beginn überraschte Helmut Hiemer, der wieder mit Wort und Musik (Saxophon) durch
den Abend führte, mit einer Tatsache, an die weder der Betroffene noch andere
Heimatfreunde gedacht hatten: Werner Haase, der 1. Vorsitzende unseres Heimatkreises,
hat dieses Amt bereits seit zehn Jahren inne. Überraschung bei allen, herzliche
Glückwünsche, eine Flasche Frankenwein und viel Applaus für den Jubilar.
Der so überraschte 1. Vorsitzende dankte recht herzlich und eröffnete den Abend
mit einem kurzen Rückblick auf unsere Heimattreffen, ausgehend von den ersten
Begegnungen in der Fremde, bei denen noch auf eine Rückkehr in die Heimat gehofft
wurde, bis zum heutigen Wechsel des Veranstaltungsortes, bedingt durch die sinkende
Teilnehmerzahl. Doch zeige auch der heutige Besuch wieder, "dass es uns
noch gibt, dass die tiefe Verbundenheit zur Heimat uns auch nach mehr als 60
Jahren immer wieder zusammenführt".

Die Willkommensgrüße der Patenstadt überbrachte Bürgermeisterin Marion Schäfer.
Sie verwies erneut auf die großen Leistungen der Vertriebenen und ging auf die
Geschichte von Patenschaft und Partnerschaft mit dem Heimatkreis bzw. unserer
Heimatstadt ein. Unsere mit großer Begeisterung durchgeführten Treffen zeigen,
dass man zwar "die Menschen aus der Heimat, aber nicht Heimat aus den Menschen
vertreiben könne". Europa wachse nicht in erster Linie durch Verträge zusammen,
es muss in den Herzen der Menschen zusammenwachsen. Und so bat Schäfer die Anwesenden:
"Übernehmen Sie weiter einen aktiven Part im deutsch-tschechischen Austausch".
Weitere Grußworte überbrachten der stellvertretende Landrat von Unterfranken,
Volkmar Halbleib (MdL), der Bundestagsabgeordnete Paul Lehrieder sowie Christian
Eichmann, 1. Vorsitzender des HK Hohenelbe.
Das Unterhaltungsprogramm war wieder so angelegt, dass es die Verbindung zwischen
alter und neuer Heimat zeigte, eingeleitet durch das Mundartgedicht "Die
Gartenbank" von Josef Tatsch, vorgetragen von Rudi Staffa.


Es folgte der Einmarsch der Tanzgruppe des Heimat- und Volkstrachtenverein 1903 Würzburg e.V., die mit fränkischen Tänzen und Mundartvorträgen die Anwesenden erfreuten. Aber auch bei dem heimatlichen Teil kamen die Mitwirkenden sowohl aus den eigenen Reihen, wie die Schwestern Margarete Merk und Marie Grysczyk, als auch aus der Umgebung von Würzburg, wie das Duo Andrea Huber Diana Johnsen. Sie begeisterten mit gemeinsam in Mundart vorgetragenen Liedern, die Gäste mit einbeziehend. Zum Abschluss des offiziellen Teils wurde dann gemeinsam unser Riesengebirgslied gesungen, wobei schmerzlich die kräftige Stimme unseres Heimatpfarrers Wenzel Baudisch vermisst wurde.


Der Sonntag: Er begann mit der Heiligen Messe in der nur wenige Meter von dem Veranstaltungszentrum entfernten Heiligkreuzkirche ein weiterer Vorteil des neuen Veranstaltungsortes. Zelebrant war der uns schon bekannte Franziskanerpater Leo. Und eine weitere Neuheit: Die Predigt hielt der in Radowenz geborene evangelische Pastor Bruno Hertel. "Heimat Kirche zuhause", Begriffe, die zusammengehören. In seiner Predigt ging Hertel auf wesentliche Stationen seines Lebens ein, der zunächst in der Marine diente, erst nach einer schweren Verwundung sein Leben Gott weihte. Direkt im Anschluss das Totengedenken. In würdigen Worten gedachte Helmut Hiemer der Toten von Krieg, Flucht und Vertreibung sowie der im letzten Jahr heimgegangenen Landsleute. Das Blumengebinde des HK wurde anschließend durch den 1. Vorsitzenden Werner Haase, die Geschäftsführerin Andrea Huber und Heimatfreund Helmut Hiemer an der Gedenkstätte im Husarenwäldchen niedergelegt. Bei der Heimatortsbetreuertagung konnte festgestellt werden, dass in der letzten Zeit mehrere Orte hinsichtlich der Betreuung "reaktiviert" werden konnten, zuletzt Deutsch-Prausnitz, bzw. innerhalb der Heimatgemeinschaften in Krankheitsfällen die Fortführung "unter Freunden" abgesichert wurde, so jüngst bei Slatin. Dubenetz, für das sich seit mehreren Jahren kein Betreuer fand, wird vorübergehend von Beirat Günter Henke, HOB von Lampersdorf, mit übernommen. Ein Dankeschön vom Vorstand und der "Riesengebirgsheimat". Peter Barth gab einige Hinweise zur Zusammenarbeit mit der Heimatzeitung, die allseits als sehr gut eingeschätzt worden ist, einschließlich des Titels, dessen ev. Änderung einstimmig abgelehnt wurde. Umfassend diskutiert wurden die Realisierungsmöglichkeiten eines Heimattreffens in Trautenau. Dazu sind zunächst konkrete Terminvorgaben notwendig. Traditionsgemäß gehörte dann der Nachmittag wieder ganz den persönlichen Begegnungen, wobei auch heuer wieder viele alte Erinnerungen ausgetauscht und neue Bekanntschaften geschlossen wurden. Ein Dankeschön auch an die Familie Raak, die durch ihren Stand mit einem umfangreichen Angebot an Heimatliteratur wieder viel Interessantes bot. Gerade auch mit einem Abonnement unserer "Riesengebirgsheimat" können wir zum Erhalt des doch für uns so wichtigen Verbindungsgliedes beitragen.


