Quelle: "Riesengebirgsheimat" – Heimatblatt für die ehemaligen Kreise Trautenau und Hohenelbe

66. Heimattreffen der Riesengebirgler aus dem Kreis Trautenau
– in Würzburg- Zellerau gut angekommen –

von Peter Barth

Zum 66. Mal trafen sich die Riesengebirgler zu ihrem großen Wiedersehenfest, zum Bekenntnis der Treue zu ihrer Heimat, zu ihren Sitten und Gebräuchen in ihrer Patenstadt Würzburg. Neu seit dem letzten Jahr der Termin des Treffens im Jahreszyklus, neu diesmal der neue Treffensort, das Veranstaltungszentrum Heiligkreuz im Stadtteil Zellerau, neu seit Dezember 2008, dass unsere Patenstadt Würzburg nun auch die Partnerstadt unserer Heimatstadt Trautenau ist. Gekommen waren mehr als 400 Riesengebirgler, dabei auch unsere "Stammteilnehmer" aus den USA, Rudolf und Irmgard Wolf, sowie eine Gruppe mit sieben "heimatverbliebenen" Landsleuten unter der Leitung von Inge Efler, der Leiterin des BGZ´s in Trautenau.



Rudolf und Irmgard Wolf aus USA.



Die Gäste aus dem Kreis Trautenau mit Werner Haase, 2. v. re. Inge Efler, Leiterin des BGZ in Trautenau.

Der Freitag: Traditionsgemäß am Vormittag der Empfang der Stadt Würzburg im historischen Wenzelsaal des Rathauses. Als Gastgeberin begrüßte Bürgermeisterin Marion Schäfer die Gäste, neben den Riesengebirglern weitere Repräsentanten der Stadt sowie Vertreter anderer Vertriebenenverbände. In ihrer Ansprache wies Schäfer auf die vielseitigen historischen Beziehungen zwischen Franken und Böhmen hin, für die auch dieser historische Saal Ausdruck ist.



Bürgermeisterin Marion Schäfer beim Willkommensgruß während des Empfanges der Patenstadt im Würzburger Rathaus.

Sie dankte erneut den Riesengebirglern – so wie allen Vertriebenen – für das tatkräftige Mitwirken am Wiederaufbau der 1945 völlig zerstörten Stadt. Schäfer betonte, dass der Heimatkreis in die junge Partnerschaft Trautenau – Würzburg einbezogen wird und bat um aktive Unterstützung bei der Umsetzung.

Werner Haase, 1. Vorsitzender des Heimatkreises, dankte für die langjährige aktive Patenschaftsarbeit und sicherte zu, mitzuhelfen, den Partnerschaftsvertrag mit Leben zu erfüllen. Bei interessanten Gesprächen zeigte sich, wie gut fränkischer Wein und heimatlicher Mohnkuchen, auch in diesem Jahr wieder mitgebracht von Helmut Hiemer, zusammenpassen. Am Nachmittag war in die Riesengebirgsstube eingeladen worden. Neben der allgemeinen Besichtigung folgten die Gäste interessiert den Ausführungen Helmut Hiemers zu seiner bereits mehrjährigen Vortragsreihe "Lebensbilder bedeutender Sudetendeutscher", die diesmal Heinrich Pleticha und Otfried Preußler gewidmet war. Als Besonderheit ist hervorzuheben, dass der in Würzburg lebende Prof. Dr. Pleticha persönlich anwesend war. Hiemer referierte über dessen allumfassende Recherchen zu den verwirrten Wegen der Reichskleinodien des deutschen Kaiserreiches – so Krone, Reichsapfel, Zepter, Reichsschwert – von ihrer erstmaligen Erwähnung bis zur Gegenwart, wobei natürlich neben den bewegenden geschichtlichen Abläufen die Zeit während und nach dem Zweiten Weltkrieg von besonderem Interesse war.



In der Riesengebirgsstube: Prof. Dr. Heinrich Pleticha, Helmut Hiemer, Werner Haase (v. r.).

Heute werden sie in der Wiener Hofburg aufbewahrt. Dargelegt ist dieser Werdegang in dem prachtvollen Fotoband "Des Reiches Glanz".

Otfried Preußler ist uns allen bekannt durch seine Rübezahl- und andere Geschichten. Dargeboten wurde die Geschichte vom Haus am Rübezahlweg, die autobiographische Züge trägt. Die Verbindung zwischen den beiden Vorgestellten ist das gemeinsam herausgegebene "Große Balladenbuch".

Für den Abend lag von der Ackermann-Gemeinde Würzburg eine Einladung zu einem Gottesdienst im Dom vor. In der Taufkapelle wurde zunächst der original aus dem 13. Jahrhundert erhaltene Taufkessel – Auslagerung zum Kriegsende – durch Msgr. Frühmorgen erläutert. Nach Erneuerung des Taufgelübdes wurde in erhebender Weise mit Kerzen durch den dunklen Dom zum Hauptaltar gezogen, dort die hl. Messe gefeiert. Im Anschluss kam es noch zu sehr interessanten Gesprächen zwischen uns Riesengebirglern und den Mitgliedern der Ackermann-Gemeinde, wobei deren Programm anlässlich des 20. Jahrestages des Mauerfalls durch Einfallsreichtum besticht, wie z.B. eine Veranstaltung an der ehem. innerdeutschen Grenze (wir werden über den Termin informieren).

Der Samstag: Wer wollte, konnte am Vormittag an einer Stadtführung mit unserem Ehrenmitglied, Stadtrat Willi Dürrnagel – der auch heuer wieder bei allen wichtigen Veranstaltungen unser Gast war – teilnehmen.

Nachdem am Vormittag im Saal des Veranstaltungszentrums bereits die ersten persönlichen Begegnungen stattfanden, begann am Nachmittag die Hauptversammlung 2009 zunächst mit den notwendigen Formalien. In seinem Referat ging der 1. Vorsitzende, Werner Haase, auf die auch nach dem Wechsel im Amt des Oberbürgermeisters (Pia Beckmann – Georg Rosenthal) guten Patenschaftsbeziehungen zu Würzburg ein, dokumentiert auch in der Bitte der Stadt an den Heimatkreis um Mithilfe bei "Erfüllung des Partnerschaftsvertrages mit Leben". Hierzu wurden auch die Anwesenden um Vorschläge gebeten – was hiermit auf unsere Leser erweitert wird. Ein Weg in dieser Richtung sind die regelmäßig in der Riesengebirgsstube durchgeführten Veranstaltungen "Schatzsuche mit dem Rübezahl". Dieser Partnerschaftsvertrag, über den in der RGH ausführlich informiert wurde (Briefwechsel, Presseberichte), nahm einen breiten Raum ein. In diesem Zusammenhang steht auch die Einladung des Trautenauer Bürgermeisters Ivan Adamec, dort 2010 ein Heimattreffen durchzuführen. Dies wäre jedoch nur in Verbindung mit einzelnen Ortstreffen, die ja bereits vielfach in den Heimatgemeinden stattfinden, möglich, wobei dann eine zentrale Veranstaltung in Trautenau stattfinden könnte. Seitens des Heimatkreises ist umgehend ein ev. Termin zu klären. Ein weiteres Beispiel der guten Zusammenarbeit mit der Patenstadt ist die Präsentation unserer Patenschaftsurkunde auf der Landesausstellung über den Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg. Zur korporativen Mitgliedschaft des Heimatkreises in der SL wurde für dieses Jahr ein Beitrag von 200 Euro – unter dem Vorbehalt "wenn es die Kassenlage am Jahresende zulässt" – beschlossen. Haase wies auf die durch das BGZ Ende Mai in Trautenau geplante Veranstaltung "Deutsch-tschechische Beziehungen im Trautenauer Gebiet im Wandel der Zeiten" hin. Dass in diesem Programm auf die Partnerschaft Trautenau – Lohfelden hingewiesen und Würzburg nicht erwähnt wird, liegt daran, dass z.Z. der Vorbereitung dieser Vertrag noch nicht unterzeichnet war. Die Anwesenden wurden eingeladen. Es erfolgte weiterhin herzliche Einladung zum 6. Nordtreffen der Riesengebirgler am 3. und 4. Oktober 2009 in Rostock. Das Programm wurde bereits in der Mai-Ausgabe der RGH veröffentlicht und ist auch den Mitgliedern persönlich zugegangen. Den Kassenbericht für das Geschäftsjahr 2008, erstellt durch die Kassiererin Christine Geißendörfer, wurde von der Geschäftsführerin Andrea Huber vorgetragen, durch die Kassenprüfer Manfred Luschtinetz und Rainer Nemetschek bestätigt und Antrag auf Entlastung der Kassiererin sowie des gesamten Vorstandes gestellt. Diese Entlastung wird von der Hauptversammlung einstimmig erteilt. Helmut Hiemer trug wieder in bewährter Form die Statistik für Mitgliederbewegung, Altersstruktur, Beitrags- und Spendenaufkommen vor und musste dabei auf die altbekannten Fakten Überalterung, schwindende Mitgliederzahlen sowie mangelnde Beitragszahlung einiger Mitglieder hinweisen. Jeder Leser möge sich selbst fragen! Positiv hingegen ist das Spendenaufkommen, für das der 1. Vorsitzende an dieser Stelle dankte und gleichzeitig an die "Nichtzahler" appellierte. Die Mitgliederzahl beträgt per 01.04.2009 1.179 (Vorjahr 1.228). "Führend" sind die Altersgruppen 75 bis 79 und 80 bis 84 Jahre mit 289 bzw. 300 Mitgliedern.

Peter Schulz, Betreuer der Internet-Seite unseres HK, informierte zunächst über einige Grundlagen des Internets und stellte dann einige Seiten vor. Er konnte feststellen, dass Anfragen aus aller Welt eingehen. Leider gab es hierbei anfänglich technische Schwierigkeiten, so dass die HOB-Tagung auf Sonntag verschoben werden musste. Abschließend dankte der 1. Vorsitzende allen für die geleistete Arbeit und betonte noch einmal die Sorgen bezüglich Mitgliederzahl und Altersstruktur, stellte aber optimistisch fest: "Noch können wir den HK in der jetzigen Form fortführen."

Am späten Nachmittag die Mundartstunde mit Rudi Staffa, die auch heuer wieder ein Höhepunkt des Treffens war. Mit seiner Auswahl "vorwiegend heiter, aus der guten alten Zeit", mit Gedichten unserer Heimatdichter Josef Tatsch und Pater Meinrad verstand es Staffa, die Zuhörer in dem bis auf den letzten Platz besetzten Saal in seinen Bann zu ziehen, mit in die Heimat, in die eigene Jugend zu entführen. Mit passender Zwischenmusik gab er den Anwesenden Gelegenheit, sich ganz dem Gehörten "hinzugeben". Mit anhaltendem Beifall wurde dem Vortragenden gedankt.



Rudi Staffa bei seinem Mundartvortrag.

Zu dem Festabend, der unter dem Motto "Frohes Wiedersehen" stand, konnten auch heuer bedeutende Persönlichkeiten der Stadt und des Landkreises Würzburg, der Kirche sowie der Vertriebenenverbände begrüßt werden. Gleich zu Beginn überraschte Helmut Hiemer, der wieder mit Wort und Musik (Saxophon) durch den Abend führte, mit einer Tatsache, an die weder der Betroffene noch andere Heimatfreunde gedacht hatten: Werner Haase, der 1. Vorsitzende unseres Heimatkreises, hat dieses Amt bereits seit zehn Jahren inne. Überraschung bei allen, herzliche Glückwünsche, eine Flasche Frankenwein und viel Applaus für den Jubilar.

Der so überraschte 1. Vorsitzende dankte recht herzlich und eröffnete den Abend mit einem kurzen Rückblick auf unsere Heimattreffen, ausgehend von den ersten Begegnungen in der Fremde, bei denen noch auf eine Rückkehr in die Heimat gehofft wurde, bis zum heutigen Wechsel des Veranstaltungsortes, bedingt durch die sinkende Teilnehmerzahl. Doch zeige auch der heutige Besuch wieder, "dass es uns noch gibt, dass die tiefe Verbundenheit zur Heimat uns auch nach mehr als 60 Jahren immer wieder zusammenführt".



Konnte sein 10-jähriges Amtsjübiläum feiern: Werner Haase, 1. Vorsitzender des Heimatkreises, während der Begrüßung am Festabend.

Die Willkommensgrüße der Patenstadt überbrachte Bürgermeisterin Marion Schäfer. Sie verwies erneut auf die großen Leistungen der Vertriebenen und ging auf die Geschichte von Patenschaft und Partnerschaft mit dem Heimatkreis bzw. unserer Heimatstadt ein. Unsere mit großer Begeisterung durchgeführten Treffen zeigen, dass man zwar "die Menschen aus der Heimat, aber nicht Heimat aus den Menschen vertreiben könne". Europa wachse nicht in erster Linie durch Verträge zusammen, es muss in den Herzen der Menschen zusammenwachsen. Und so bat Schäfer die Anwesenden: "Übernehmen Sie weiter einen aktiven Part im deutsch-tschechischen Austausch". Weitere Grußworte überbrachten der stellvertretende Landrat von Unterfranken, Volkmar Halbleib (MdL), der Bundestagsabgeordnete Paul Lehrieder sowie Christian Eichmann, 1. Vorsitzender des HK Hohenelbe.

Das Unterhaltungsprogramm war wieder so angelegt, dass es die Verbindung zwischen alter und neuer Heimat zeigte, eingeleitet durch das Mundartgedicht "Die Gartenbank" von Josef Tatsch, vorgetragen von Rudi Staffa.



Aufmerksam folgten die Gäste den Darbietungen beim Festabend, links im Vordergrund Stadtrat Willi Dürrnagel, Ehrenmitglied des HK.




Tanzgruppe des Heimat- und Volkstrachtenvereins 1903 Würzburg e. V.

Es folgte der Einmarsch der Tanzgruppe des Heimat- und Volkstrachtenverein 1903 Würzburg e.V., die mit fränkischen Tänzen und Mundartvorträgen die Anwesenden erfreuten. Aber auch bei dem heimatlichen Teil kamen die Mitwirkenden sowohl aus den eigenen Reihen, wie die Schwestern Margarete Merk und Marie Grysczyk, als auch aus der Umgebung von Würzburg, wie das Duo Andrea Huber – Diana Johnsen. Sie begeisterten mit gemeinsam in Mundart vorgetragenen Liedern, die Gäste mit einbeziehend. Zum Abschluss des offiziellen Teils wurde dann gemeinsam unser Riesengebirgslied gesungen, wobei schmerzlich die kräftige Stimme unseres Heimatpfarrers Wenzel Baudisch vermisst wurde.



Gesangsvortrag von Frau Andrea Huber und Frau Diana Johnsen.
Dahinter die Schwestern Margarete Merk und Marie Grysczyk – ehemals Wildschütz.




Geschäftsführerin Andrea Huber und 1. Vorsitzender Werner Haase nach der Niederlegung des Blumrengebindes an der Gedenkstätte im Husarenwäldchen.

Der Sonntag: Er begann mit der Heiligen Messe in der nur wenige Meter von dem Veranstaltungszentrum entfernten Heiligkreuzkirche – ein weiterer Vorteil des neuen Veranstaltungsortes. Zelebrant war der uns schon bekannte Franziskanerpater Leo. Und eine weitere Neuheit: Die Predigt hielt der in Radowenz geborene evangelische Pastor Bruno Hertel. "Heimat – Kirche – zuhause", Begriffe, die zusammengehören. In seiner Predigt ging Hertel auf wesentliche Stationen seines Lebens ein, der zunächst in der Marine diente, erst nach einer schweren Verwundung sein Leben Gott weihte. Direkt im Anschluss das Totengedenken. In würdigen Worten gedachte Helmut Hiemer der Toten von Krieg, Flucht und Vertreibung sowie der im letzten Jahr heimgegangenen Landsleute. Das Blumengebinde des HK wurde anschließend durch den 1. Vorsitzenden Werner Haase, die Geschäftsführerin Andrea Huber und Heimatfreund Helmut Hiemer an der Gedenkstätte im Husarenwäldchen niedergelegt. Bei der Heimatortsbetreuertagung konnte festgestellt werden, dass in der letzten Zeit mehrere Orte hinsichtlich der Betreuung "reaktiviert" werden konnten, zuletzt Deutsch-Prausnitz, bzw. innerhalb der Heimatgemeinschaften in Krankheitsfällen die Fortführung "unter Freunden" abgesichert wurde, so jüngst bei Slatin. Dubenetz, für das sich seit mehreren Jahren kein Betreuer fand, wird vorübergehend von Beirat Günter Henke, HOB von Lampersdorf, mit übernommen. Ein Dankeschön vom Vorstand und der "Riesengebirgsheimat". Peter Barth gab einige Hinweise zur Zusammenarbeit mit der Heimatzeitung, die allseits als sehr gut eingeschätzt worden ist, einschließlich des Titels, dessen ev. Änderung einstimmig abgelehnt wurde. Umfassend diskutiert wurden die Realisierungsmöglichkeiten eines Heimattreffens in Trautenau. Dazu sind zunächst konkrete Terminvorgaben notwendig. Traditionsgemäß gehörte dann der Nachmittag wieder ganz den persönlichen Begegnungen, wobei auch heuer wieder viele alte Erinnerungen ausgetauscht und neue Bekanntschaften geschlossen wurden. Ein Dankeschön auch an die Familie Raak, die durch ihren Stand mit einem umfangreichen Angebot an Heimatliteratur wieder viel Interessantes bot. Gerade auch mit einem Abonnement unserer "Riesengebirgsheimat" können wir zum Erhalt des doch für uns so wichtigen Verbindungsgliedes beitragen.



Blick in den Festsaal beim Singen unserer "Blauen Berge, grüne Täler ..."



Blick in den Festsaal.



Freuen wir uns auf 2010:

Wiedersehen im April in Würzburg!
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